Kirchenglocke

Essay

Religiöse Rücksichtnahme – und wer nimmt Rücksicht auf die Konfessionsfreien?

Egal ob Christen oder Muslime – sie alle fordern, dass auf auf ihre religiösen Befindlichkeiten Rücksicht genommen wird und die deutsche Politik erfüllt diese Wünsche, zeigt sich willfährig und hofiert die Religionsgemeinschaften als gesellschaftliche Akteure. Doch wer nimmt Rücksicht auf jene, die keiner Religion angehören? In Deutschland werden die Interessen der Kirchen und anderer Religionsgemeinschaften noch immer weit stärker berücksichtigt als die der Konfessionsfreien.

Warum die Infragestellung systemisch problematisch ist

Die beitragsfreie Familienversicherung: Ein Kernbestand des Sozialstaats

Die aufflammende Diskussion über eine mögliche Einschränkung der beitragsfreien Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist mehr als bemerkenswert. Denn hier geht es nicht um eine technische Anpassung. Wer an dieser Stelle "reformieren" möchte, greift nicht in eine Detailregelung ein, sondern in das Solidarprinzip selbst, das die GKV seit ihrer Entstehung trägt.

Indien macht den Weg frei für passive Sterbehilfe

Mit einer wegweisenden Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof in Indien den Weg für die passive Sterbehilfe – also die Einstellung lebenserhaltender Maßnahmen – bei einem Wachkoma-Patienten geebnet. Passive Sterbehilfe ist in Indien seit 2018 erlaubt. Der aktuelle Fall ist der erste, in dem indische Richter diesen Schritt genehmigen, ohne dass eine Patientenverfügung vorliegt.

Neues Forschungsprojekt analysiert antisemitische Kommunikation auf YouTube

Wie wird Antisemitismus auf YouTube kommuniziert? Und wie lässt sich diese plattformspezifische Kommunikation wissenschaftlich analysieren? Diesen Fragen widmet sich das neue Verbundforschungsprojekt "DAYVid" ("Decoding Antisemitism in YouTube Videos") der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung (IIA) an der Universität Trier, des Tikvah Instituts und des Weizenbaum-Instituts.

Bremer Gericht erlaubt Turban bei Polizisten im Außendienst

Ein Bremer Polizist im Dienst darf – zumindest vorläufig – in der Öffentlichkeit einen Turban tragen. Mit diesem Beschluss entsprach das Verwaltungsgericht Bremen dem Eilantrag des Kommissaranwärters Jaspinder Singh. Er gehört dem Sikh-Glauben an und der Turban (Dastar) ist ein religiöses Symbol dieser Gemeinschaft. Gegen die Entscheidung ist eine Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht möglich.

Eröffnung

Humanistentag in Hamburg voller Erfolg

Trotz Streiks im Nahverkehr kamen rund 100 Gäste zum dritten Humanistentag in Hamburg zusammen und erlebten ein dichtes Programm mit zwölf Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen säkularen Themen. Im Zentrum standen Debatten über Säkularität in der Einwanderungsgesellschaft, religionspolitische Fragen sowie die Forderung nach stärkerer säkularer Ausrichtung der Politik. Für besondere Aufmerksamkeit sorgten die Keynote von Julian Nida-Rümelin zum "Epochenbruch" sowie ein satirischer Abschluss der Pastafari, der den Tag pointiert ausklingen ließ.

"Projekt 48" dokumentiert erneut säkulare Gefangene zum World Atheist Day

Zum vierten Mal veröffentlicht "Projekt 48" anlässlich des World Atheist Day eine Liste der säkularen Gefangenen. Damit soll alljährlich daran erinnert werden, dass ein Bekenntnis zum Atheismus, ein profaner Umgang mit Göttern und Heiligkeiten oder die Forderung nach einer säkularen Gesellschaftsordnung in vielen Staaten mit Gefängnis bestraft werden. Dieses Jahr wurden Beispiele aus den Bereichen politischer Aktivismus und komische Kunst ausgesucht.

Pastor will katholische Prozessionen verbieten

Der hpd hatte über den Pastor von "Kriegsminister" Pete Hegseth, Doug Wilson, berichtet. Der Artikel hatte die Frage gestellt, wie sich wohl "die Positionen der katholischen Integralisten, denen sich US-Vizepräsident JD Vance angeschlossen hat, mit den evangelikalen Ansichten um Hegseth und Wilson vertragen werden?" Nun kennen wir die Antwort.

Leere Kirche

Die fowid-Analyse zu den Kirchenmitgliederzahlen

Der Schrumpfungsprozess geht weiter

In Deutschland schrumpfen die römisch-katholische Kirche und die evangelische Kirche beständig weiter. Carsten Frerk, Projektleiter der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), sieht dies als eines der Kernergebnisse der Zahlen, die die beiden großen Amtskirchen soeben veröffentlicht haben: "Es gibt keine Verringerung im Rückgang der Mitgliederzahlen. War es in den Jahren bis 2016 jährlich rund ein Prozent Verringerung, sind es seit 2022, also in den letzten vier Jahren, rund drei Prozent pro Jahr", sagte er im Gespräch mit dem hpd.

Termine

Mehr aus den Rubriken

Kind im Hochzeitskleid

Analyse

Kinderehen in Baden-Württemberg: 358 Fälle, nur acht Aufhebungen

358 Fälle von Kinderehen, aber nur acht rechtskräftige Aufhebungen: Zahlen aus Baden-Württemberg werfen Fragen zum Schutz minderjähriger Betroffener auf. Wie gehen die Behörden mit solchen Fällen um, und welche Rolle spielen rechtliche Hürden, gesellschaftliche Strukturen und religiöse Traditionen? Ein Blick auf die Hintergründe eines Problems, bei dem der Schutz von Kindern im Mittelpunkt stehen sollte.

Scheiterhaufen

Neo-Integralist gegen Rom

Pater Edmund Waldstein vertritt einen Neo-Integralismus, der die weltliche Macht der Geistlichen unterordnen und unter bestimmten Umständen sogar die Hinrichtung von Ketzern rechtfertigen will. Nun zwingt ihn die katholische Kirche zum Widerruf. Der Fall offenbart die absurde Pointe eines Konflikts, in dem ein Verfechter religiösen Zwangs selbst unter kirchlichen Zwang gerät.

Gehirne

Die Ergebnisse des historischen Forschungsprojekts liegen vor

Hirnforschung und NS-Verbrechen

Das von der Max-Planck-Gesellschaft geförderte unabhängige Verbundprojekt zur Identifizierung von Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“ und anderen Formen der NS-Verfolgung, von denen Hirnpräparate in zwei Max-Planck-Instituten (vormals Kaiser-Wilhelm-Instituten) zu wissenschaftlichen Zwecken gesammelt wurden, ist nach neun Jahren abgeschlossen. Anlass waren Funde von Hirnschnitten im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin sowie im Historischen Archiv des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München.

Robert F. Kennedy, Jr.

Gefangen in der inneren Logik

Warum Robert F. Kennedy Jr. Masernausbrüche nicht bekämpft, sondern braucht

Kürzlich wurden bereits die institutionellen Verwerfungen analysiert, die zu den schon sichtbar verheerenden Auswirkungen auf das Impfwesen in den USA führen. Eine offene Frage bleibt, was die handelnden Personen, insbesondere Gesundheitsminister Kennedy, dazu treibt, einen solchen offensichtlich unsinnigen Kurs unbeirrt zu verfolgen und seine Institutionen aktiv von angemessenen Reaktionen abzuhalten.

Stipendiat*innen-Treffen des Bertha von Suttner-Studienwerks

Das Bertha von Suttner-Studienwerk bekommt zum Oktober zehn neue Stipendiat*innen

Wissenschaftliche Exzellenz trifft auf humanistisches Engagement

Das Bertha von Suttner-Studienwerk (BvS) begrüßt seine neuen Stipendiat*innen. Die Auswahlkommission hatte auch in diesem Jahr keine leichte Aufgabe: Aus mehr als 170 Bewerbungen galt es, die zehn überzeugendsten Kandidat*innen auszuwählen. Ab Oktober werden sie vom Studienwerk gefördert und in das stetig wachsende BvS-Netzwerk aufgenommen.

EMMA-Logo

Schluss nach 50 Jahren

Die EMMA geht in den Ruhestand

Heute teilte die prominente Feministin Alice Schwarzer mit, dass „nach 50 Jahren und 398 Ausgaben mit 36.584 Seiten“ die feministische Zeitschrift EMMA „die Bühne verlässt“. Ein Rückblick.

Familie beim Herbstspaziergang

Angesichts geplanter Einkommensteuer- und Wohngeldreform

Deutsches Kinderhilfswerk warnt vor weiteren finanziellen Belastungen und Ungleichbehandlungen von Familien

Da sich durch die geplanten Reformen die Schere zwischen der maximalen Entlastungswirkung des Kinderfreibetrages und dem Kindergeld immer weiter öffne, entstehe eine finanzielle Schieflage zulasten von Familien aus dem unteren und mittleren Einkommenssegment. Das Deutsche Kinderhilfswerk findet daher, dass die geplanten Anpassungen in die völlig falsche Richtung gehen.

Säkularer Stand beim Tag der Deutschen Einheit

„Bremen hat uns mit offenen Armen empfangen”

Drei Tage, zwei Zelte auf der Einheitsmeile und ein Publikum, das zugewandt stehen blieb: Der Zentralrat der Konfessionsfreien blickt auf ein Bürgerfest zurück, das einen riesigen Zuspruch brachte. Mit Lesungen, Präsentationen und Diskussionen am Informationsstand stellte er in direkter Nachbarschaft mit dem AK Polis säkulare Politik und die Aufklärung über die Gefahren des Politischen Islam zur öffentlichen Debatte. Auch der hpd präsentierte sich am Stand.

Justitia, im Hintergrund die Münchner Frauenkirche

Prozess um kirchlichen Missbrauch

„Ein Stück Rechtsgeschichte“

Das Landgericht Traunstein hat in einem Gutachten bestätigt: Die sexualisierte Gewalt, die ein Kläger gegen das Erzbistum München und Freising im Kindesalter erfahren hat, hat seine psychische und soziale Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt. Die Kirche muss nun Schmerzensgeld zahlen.