Gedanken zum 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September

Religiöser Absolutheitsanspruch gepaart mit kaltem Machtkalkül: Die Anschläge vom 11. September zeigten, wie Religion instrumentalisiert wird, um Demokratien zu erschüttern und Radikalisierung anzufachen.

Trümmer nach dem Anschlag
17 Tage nach dem Anschlag: Aufräumarbeiten am Trümmerfeld in New York City.

Der Sprengstoff, der die Twin-Towers zum Einsturz brachte, wird häufig allein auf religiösen Extremismus als Ursprung zurückgeführt. Allerdings mischte sich dafür auf brisante Weise religiöser Absolutheitsanspruch mit Politik. Religion diente als Begründung, um eine Demokratie anzugreifen und in ihren Grundfesten zu erschüttern sowie eigene politische Ziele zu verfolgen. Dass die Zerstörung der Twin Towers alleine ein Land nicht zu Fall bringen würde, war klar. Aber dadurch endete eine Phase von liberaler Sorglosigkeit, Angst und Misstrauen begannen sich breitzumachen. Mit jedem islamistisch motivierten Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt, ein Einkaufszentrum oder eine Nachrichtenredaktion wuchs die Saat für feindliche Einstellungen gegenüber Menschen mit islamischem Hintergrund.

Die perfide Rechnung dahinter: Radikalisiert sich die eine Seite, so hilft das der Radikalisierung auf der anderen Seite. Ein gegenseitiges Aufschaukeln begann, das immer noch beiden radikalen Seiten nützt. Der islamische Extremismus brauchte und braucht anti-islamische Stimmungen in den westlichen Demokratien, um dort für Anschläge zu rekrutieren. Zugleich erstarkte dadurch eine extremistische Rechte, die im Islam ein Feindbild fand, mit dem sie ihre menschenfeindliche Migrationspolitik zu einem beherrschenden Thema aufblähen konnte. In Ländern, in denen der Islam weit in der Bevölkerung vertreten war, diente „der anti-islamische Westen“ wiederum als Feindbild, um extremistisch-islamische Bewegungen zu stärken und die politische Macht zu übernehmen oder zu festigen.

Eine vergleichbare Formel findet sich bei der religiösen Letztbegründung des gewaltsamen Landraubs in Palästina durch den israelischen Minister Ben Gvir. Auch der zum Katholizismus konvertierte US-Vizepräsident JD Vance behauptet, er erledige "Gottes Werk", der „Kriegsminister“ Pete Hegseth tut es ihm gleich und stellt den Angriffskrieg auf den Iran immer wieder als heiligen christlichen Krieg dar.

Diese fatale Kombination aus einem irrationalen Anspruch, der sich einer überirdischen Instanz bedient, und einem rationalen Machtkalkül führt zu Willkür – politisch ebenso wie ethisch und intellektuell. In der Tradition der europäischen Aufklärung müssen wir mit kritischer Vernunft Freiheit und Menschenwürde gegen diese toxischen Ideologien verteidigen und wieder mehr Leidenschaft für die Kraft der Vernunft erzeugen.

Kommentare (3)

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A.S. (nicht überprüft)

Fr. 11 Sep 2026 - 15:20

In unserem Land gilt Religion immer noch als eine Form von Ethik. Das ist falsch.

Religion ist zum einen theokratische Ideologie: Gläubige müssen den religiösen Führern jeden Quatsch glauben, bedingungslos gehorchen und ihr Leben lang dienen.

Zum anderen ist Religion ein zynisches, manipulatives Spiel mit menschlichen Ängsten, Sehnsüchten und unseren Instinkten.

Leider sind auch viele Humanisten auf die Ethik-Maske der Religionen herein gefallen.

Philipp Möller ist kommende Woche in BaWü unterwegs und nimmt an Podiumsdiskussionen teil, auf denen mal wieder uns Religion als "unverzichtbare Ethik" untergejubelt wird. Eigentlich wären diese Diskussionen gute Gelegenheiten, mal auf das "Zuckerbrot und Peitsche"- System hinzuweisen, dass Paradiesverheißung ung Höllendrohung bilden.

Höllendrohung und Paradiesverheißung reiten auf unserem Selbsterhaltungstrieb herum. Auch das könnte er mal thematisieren. Für das "Ewige Leben im Paradies" tun Menschen alles, sogar sich selbst und andere umbringen.

Der Wiederauferstehungsglaube macht Soldaten zu willigem Kanonenfutter. Kriegsherren wissen das. Beispiele liefert die Geschichte genug, z.B. 9/11.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Fr. 11 Sep 2026 - 17:22

Ein Märchen gegen ein anderes zu stellen, ist keine Lösung. Was wir brauchen, sind vernünftige, säkulare Werte und eine Trennung von Religion und Staat.

Henry Burchardt (nicht überprüft)

Sa. 12 Sep 2026 - 18:06

Terror im Namen Allahs
Eine mahnende Erinnerung an die massenmörderischen Anschläge vom 11. September 2001
„Die Körperteile der Ungläubigen flogen wie Staubkörnchen umher. Hätten wir es mit eigenen Augen gesehen, unsere Herzen wären von Freude erfüllt“ (Osama Bin Ladin)
Die koordinierten Terroranschläge vom 11. September 2001 mit vier entführten Flugzeugen und etwa 3.000 unschuldigen und zufälligen Todesopfern stellen fraglos die bisher spektakulärsten, symbolkräftigsten und mediengerechtesten Anschläge der modernen Geschichte des Terrorismus dar. Markiert wurde damit eine neue Qualität der „Ästhetik der Barbarei“, wie sie nur dem Schoß eines mörderischen Gotteswahns mit dem ihm innewohnenden Hang zu sakralem Mythos, apokalyptischen Wahnideen und entsprechenden gottesfanatischen Identitäten zu entsprießen vermag.
Spätestens diese Mega-Anschläge hätten der Anlass sein können und müssen für eine tabufreie Diskussion über die herrschaftskulturellen Ursachen, politischen Hintergründe und religiös-weltanschaulichen Antriebskräfte des islamischen Terrorismus. Doch dieser Zeitpunkt wurde aufgrund politischer Interessenlagen und ideologischer Bornierungen verpasst. Stattdessen nämlich dominier(t)en seither in der deutschen Öffentlichkeit im Rahmen eines ausufernden „Deutungschaos“ der Abwehrmechanismen und Klischees, u. a.:
Die von den herrschenden politischen und medialen Instanzen ebenso einträchtig wie notorisch verbreitete Legende „Guter Islam - Böser Islamismus“. Demnach wird der „Islamismus“ als militante Verfälschung des an sich rein spirituellen und friedfertigen Islam ausgegeben und die inhaltlich-normativ eindeutig enge Verbindungslogik zwischen dem Islam und seinen gewalttätig-aktivistischen Zuspitzungen aus politisch-ideologischen Gründen geleugnet. In Wahrheit aber handelt es sich bei den muslimischen Terroristen und Selbstmordattentätern keinesfalls um Akteure, die ihre Religion strategisch bewusst verfälschen und zweckentfremden, also im Sinne eines vorsätzlichen Betrügers vorgehen. Vielmehr sahen und sehen wir hier Menschen am Werk, die subjektiv zutiefst überzeugt sind und ihren Glauben für die ‚einzig wahre’ Handlungsgrundlage halten. Das objektiv Verhängnisvolle besteht darin, dass sich sehr wohl aus dem Koran und der Sunna Aussagen und Vorbilder ‚herausholen’ lassen, die ihr Tun begründen und rechtfertigen.

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