Ein Dokument, das Leben und Sterben leichter und sicherer macht
Die Frage, wie wir am Ende unseres Lebens behandelt werden möchten, beschäftigt viele – doch nur wenige setzen sich aktiv damit auseinander. Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg (HVD BB) hat mit seinem neuen Fragebogen zur Erstellung einer Patientenverfügung ein Werkzeug geschaffen, das nicht nur rechtssicher ist, sondern auch menschlich, klar und alltagstauglich.
Foto: Centre for Ageing Better via Unsplash Unsplash License
Der Fragebogen will mit einer klaren Struktur die individuelle Freiheit der Verfügenden unterstützen. Schritt für Schritt geht es um die wichtigsten Entscheidungen: Medizinische Festlegungen (z. B. lebensverlängernde Maßnahmen, künstliche Ernährung, Schmerztherapie), Persönliche Werte und Wünsche (z. B. Aufenthaltsort am Lebensende, Begleitung, Bestattungswünsche), Vollmachten und Vertrauenspersonen (Gesundheits- und Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung).
Besonders ist die Möglichkeiten Nuancen auszudrücken – etwa bei der Frage, ob lebensverkürzende Nebenwirkungen von Schmerzmitteln in Kauf genommen werden würden. Die Patientenverfügung wird individuell erstellt und ist sofort nach Unterschrift rechtswirksam. Der Verband betont: „Ihre Patientenverfügung kommt nur bei Einwilligungsunfähigkeit zum Einsatz – also erst dann, wenn Sie selbst nicht mehr entscheiden können.“
Die Bandbreite der abgedeckten Themen umfasst medizinische Maßnahmen (Wiederbelebung, Beatmung, Antibiotika), psychosoziale Aspekte (Wer soll benachrichtigt werden? Wer soll begleiten?), ethische Fragen (zu Organ- und Gewebespende sowie Sterbehilfe) sowie praktische Wünsche (Bestattungsart, Aufenthaltsort am Lebensende).
Der Fragebogen enthält keinen juristischen Jargon, stattdessen wird erklärt, warum bestimmte Festlegungen wichtig werden könnten, auch Fachbegriffe wie Palliativmedizin werden beschrieben.
Über die reine Dokumentenerstellung hinaus kann man sich per Telefon, E-Mail oder in Präsenz beraten lassen. Es gibt die Option, die Dokumente in der Zentralstelle des HVD BB gegen eine Jahresgebühr hinterlegen zu lassen. Dazu gibt es eine Hinweiskarte zum Bei-sich-Tragen, aus der hervorgeht, wo die Dokumente angefragt werden können. Außerdem werden die Bevollmächtigten bei der Durchsetzung der Behandlungswünsche unterstützt. Alle zwei Jahre wird man an die Möglichkeit der Aktualisierung von Patientenverfügung und Vollmachten erinnert. Bei Änderungswünschen werden aktualisierte Dokumente erstellt und zugesandt.
In einer Zeit, in der die Medizin immer mehr kann, wird es immer wichtiger, klare Grenzen und Wünsche zu definieren. Dieser Fragebogen gibt das Werkzeug an die Hand, genau das zu tun – ohne Druck, aber mit aller nötigen Klarheit. Er enttabuisiert das Thema Sterben, indem er es handhabbar und weniger bedrohlich macht. Wer diese Vorsorge für sich erledigt hat, hat seinen Frieden mit der Endlichkeit des Lebens gefunden und kann unbeschwerter weiterleben.
Zentralstelle Patientenverfügung
Leipziger Str. 33, 10117 Berlin
030 2062178-02/-03/-04 (Mo–Do 10–17 Uhr, Fr 10–14 Uhr)
mail@patientenverfuegung.de
Kosten: 70 € (bei nachvollziehbarer Begründung kann die Gebühr auf 35 € reduziert werden)
Umfang: Individuelle Patientenverfügung, Gesundheits- und Vorsorgevollmachten, Hinweiskärtchen zum Bei-sich-Tragen
Fragebogen online ausfüllbar, auch als PDF herunterladbar oder postalisch bestellbar