Analyse
„Soll sich die AfD doch an der Macht entzaubern“ – Was von dem oft zu hörenden Gedanken zu halten ist
Lasst sie doch einfach mal machen. Die AfD wird sich schon entzaubern, wenn sie erst mal an der Macht ist. Da wird sich dann zeigen, dass sie es nicht kann, und die Wählerinnen und Wähler werden sich wieder von ihr abwenden und sie bei der nächsten Wahl abstrafen. Wirklich?
Foto: Roy Zuo via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Formulierungen wie die genannten sind zu hören, wenn sich manch einer tröstet und Mut macht, dem der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt (43,8 Prozent) oder hohe Umfrageergebnisse für die Partei andernorts gar nicht genehm sind. Auch wird darauf verwiesen, dass es schon nicht so schlimm kommen werde − siehe die Regierung von Giorgia Meloni in Italien. Überhaupt habe es doch auch sein Gutes, wenn die AfD selbst in die Regierungsgeschäfte eingebunden werde, dann könne sie nicht mehr behaupten, sie werde ausgegrenzt. Und schließlich entspreche das doch dem Wählerwillen. Das sei halt Demokratie, wenn eine Partei demokratisch gewählt werde. Wie demokratisch sie dann handelt, wird nicht in Frage gestellt. Im Übrigen gehe es doch aktuell nur um das kleine Sachsen-Anhalt mit seinen etwas mehr als zwei Millionen Einwohnern. Naja, vielleicht auch sehr bald anderswo. Am Sonntag ist wieder Wahltag.
Der Verweis auf das „Das ist doch weit weg und betrifft nur ein kleines unbedeutendes Bundesland“ fällt freilich leicht, wenn man keine Empathie mit den dort lebenden Menschen hat, die zu mehr als 50 Prozent gerade nicht die AfD gewählt haben, nun aber davor bangen, was auf sie zukommen mag. Ein Achselzucken fällt leicht, wenn man sich nicht betroffen fühlt, weil man keine dunkle Hautfarbe hat oder der einen oder anderen politischen oder weltanschaulichen Minderheit angehört, die vom AfD-Programm ins Visier genommen wird.
Käme es zu einer AfD-Regierung in einem Bundesland − und im Falle Sachsen-Anhalts ist das ja in greifbarer Nähe − könnte sich schon bald die politische Konsequenz zeigen, die wir auch aus den USA unter Donald Trump kennen: Macht macht mächtig. Das gilt in all den Bereichen, in denen das Land nach unserem föderalen Staatsaufbau Kompetenzen hat: insbesondere beim Einsatz der Polizei, in der Justiz, im Bereich Kultur.
Beispiel Justiz
Eine von der AfD geführte Regierung könnte den Justizminister stellen. Selbst wenn sie es nicht häufig ausüben – Justizminister haben ein sogenanntes Weisungsrecht gegenüber den Staatsanwaltschaften. Sie können der Staatsanwaltschaft Weisungen erteilen, ob Strafverfahren eingestellt oder aufgenommen werden sollen. Und wie über einen größeren Zeitraum auch die Richterschaft personell umgebaut werden kann, hat das „Justiz-Projekt“ des Verfassungsblogs schon im vergangenen Jahr aufgezeigt, über das der hpd berichtete.
Im „Justiz-Projekt“ wurde folgendes Szenario entwickelt: Ein Verwaltungsgericht, das bekannt ist für besonders harte Entscheidungen in Asylverfahren, bekommt mehr neue Richter-Planstellen. An anderen Gerichten werden Stellen abgebaut. Richter, die sich intern kritisch zu ministeriellen Vorhaben geäußert haben, erhalten unerfahrene oder überlastete Justizfachangestellte an die Seite gestellt. Gleichzeitig werden durch informelle Weisungen innerhalb der Geschäftsleitung bestimmte Abteilungen bevorzugt behandelt – etwa solche, in denen Richterinnen und Richter sitzen, die der autoritär-populistischen Partei angehören oder loyal zur Leitung stehen. Der nächste Schritt ist die Durchführung von Asylverfahren an nur noch einem Verwaltungsgericht des Landes. Durch Beförderungen, Disziplinarmaßnahmen oder haushaltsrechtliche Entscheidungen wird das Personal an diesem Gericht Zug um Zug so weit ausgetauscht, bis es ganz auf die Linie der populistischen Partei gebracht ist.
Ein solches Szenario wird im „Justiz-Projekt“ nicht nur für die Instanzengerichte aufgezeigt. Also die Gerichte, die direkte Berührungspunkte zum Schicksal der Bürgerinnen und Bürger haben. Auch führen die Macher der Studie vor Augen, wie sich eine populistische Partei Schritt für Schritt in die Entscheidungsgewalt der jeweiligen Landesverfassungsgerichte einschalten könnte. Diese weniger bekannten, aber durchaus einflussreichen Gerichte haben das Potenzial, der Politik einer Landesregierung durch freundliche Urteile grünes Licht für deren Vorhaben zu geben.
Beispiel Verfassungsschutz
Wie andere Bundesländer auch hat Sachsen-Anhalt einen Landes-Verfassungsschutz. Dieser hat die AfD in dem Bundesland als gesichert rechtsextremistisch eingeschätzt und beobachtet die Partei entsprechend. Nun untersteht der Verfassungsschutz dem Innenministerium. Ein AfD-Innenminister könnte die Leitung des Verfassungsschutzes austauschen und so die Vorgabe machen, dass die Beobachtung der AfD eingestellt wird und die Schwerpunkte der nachrichtendienstlichen Tätigkeit verlagert werden. Der AfD-Innenminister könnte sich Einblicke in die Akten seines Verfassungsschutzes verschaffen und die mit verdeckten Mitteln gesammelten Informationen (inklusive der Quellen) einsehen, die die bisherige Einstufung als rechtsextremistisch belegen.
Auch auf die Zusammenarbeit des Landesverfassungsschutzes mit anderen Verfassungsschutzbehörden der Länder und des Bundes dürfte die Sache Auswirkungen haben. Wie steht es dann um die Kollaboration im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum, um den Zugriff auf gemeinsame Datenbestände, wenn sich die anderen Ämter scheuen, ihre Erkenntnisse nach Sachsen-Anhalt weiterzuleiten, weil eben diese Erkenntnisse missbraucht werden könnten?
„Die weitverbreitete Idee, dass Regierungsverantwortung rechtsradikale Parteien zähmen würde, lässt sich empirisch überhaupt nicht belegen“
Annika Hermes ist Doktorandin am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität in Berlin. Zusammen mit der Politikwissenschafts-Professorin Heike Klüver hat sie eine Studie durchgeführt mit dem Titel „Kann die Einbindung in Regierungen die Attraktivität von extrem rechten Parteien brechen?“ Untersucht wurden über einen Zeitraum von 47 Jahren mehr als 1.200 Regierungen in 57 demokratischen Ländern.
Gegenüber dem Nachrichtensender ntv fasste Annika Hermes die Ergebnisse zusammen: „Regierungsbeteiligungen schaden Parteien der radikalen Rechten nicht, sondern sie gewinnen durch eine Regierungsbeteiligung bis zur folgenden Wahl sogar dazu. Im Durchschnitt haben wir einen Zugewinn von fünf bis sechs Prozentpunkten ermittelt.“
Auf die Frage, ob eine Regierungsbeteiligung die AfD vermutlich nicht schwächen, sondern stärken würde, antwortete Hermes:
„Aufgrund der Ergebnisse unserer Studie können wir keine Prognosen dazu abgeben, wie die Ergebnisse in diesem speziellen Fall aussehen würden − zumal es in Deutschland noch nie eine Regierungsbeteiligung der AfD gegeben hat. Was wir sagen können, ist: Die weitverbreitete Idee, dass Regierungsverantwortung rechtsradikale Parteien zähmen würde, lässt sich empirisch überhaupt nicht belegen. Im Durchschnitt gewinnen rechtsradikale Parteien an Popularität, wenn sie an die Regierung kommen.“
Das Kalkül der AfD, die schon von einer Bundeskanzlerin Alice Weidel träumt, könnte sein, dass ein „salonfähiges“ Auftreten eines Ministerpräsidenten aus den eigenen Reihen in der Öffentlichkeit Wirkung entfaltet und sich Grenzen, auch Grenzen des Sagbaren, weiter verschieben. Und: Ein erfolgreich regiertes Bundesland soll nach diesem Plan eine Signalwirkung auch für die nächste Bundestagswahl haben. Was „erfolgreich regiert“ sein soll, ist freilich Ansichtssache. Und sollte es bei einer AfD-geführten Landesregierung Probleme geben, wird es der Partei durch ihr massives Auftreten in Sozialen Netzwerken ein Leichtes sein, die Schuld dafür auf andere zu schieben, die sie an einer erfolgreichen Arbeit gehindert hätten.
Am Ende dürfte weniger für ein „Lass sie doch machen, sie wird sich schon entzaubern“ sprechen als für das realistischere „Macht macht mächtig“.
Kommentare (18)
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Dazu kann ich nur sagen, …
Dazu kann ich nur sagen, "Wehret den Anfängen" oder hat die BRD nichts aus seiner Geschichte gelernt?
Eine Einseitig gerichtete Politik hat noch nie Frieden gebracht, sondern immer Spaltung
und Zerwürfnis.
"Im Durchschnitt gewinnen…
"Im Durchschnitt gewinnen rechtsradikale Parteien an Popularität, wenn sie an die Regierung kommen.“
Das lässt sich aber belegen, oder wie ist das zu verstehen?
Ja. Artikel nicht gelesen? …
Ja. Artikel nicht gelesen? ;o)
Ich habe das Paper mal durch…
Ich habe das Paper mal durch die KI gejagt und sehe da ein gewisses Problem: die AfD gewinnt ja im Moment Stimmen, ohne in der Regierung zu sein und laut dem Paper gewinnen rechte Parteien (im Durchschnitt) auch, sobald sie die Regierung stellen. Das hört sich für mich nach einer unausweichlichen Erfolgsspirale rechter Parteien an, an die ich nicht glauben möchte.
Mir fehlt zu dem Paper die Analyse, WARUM die rechten Parteien auch in der Regierung Stimmen gewinnen. Meine These: die nicht-rechten Parteien versuchen zunächst alles, um rechte Regierungen zu verhindern. Dadurch entstehen unpassende, instabile Regierungen die die Unzufriedenheit erhöhen und mehr Wähler zu den rechten Parteien treiben. Sobald dann am Ende die rechten Parteien nicht mehr zu verhindern sind, können sie ohne Koalition regieren und die daraus folgende Stabilität und fehlenden Streitigkeiten werden dann wieder mit noch größeren Wahlerfolg belohnt.
Ich habe den Eindruck, dass es in Deutschland bald so kommen könnte. Die Koalitionsmöglichkeiten schwinden und es wird alles getan, um die AfD nicht einzubinden, was aber zu unpassenden Koalitionen vieler Parteien führt.
Ich denke, Meloni in Italien…
Ich denke, Meloni in Italien ist das Gegenbeispiel für die Behauptung, radikale Parteien würden durch Regierungsbeteiligung nichts an Radikalität einbüßen.
Sie ist deutlich moderater geworden, als vor der Wahl.
Auch bei Adolf Hitler…
Auch bei Adolf Hitler dachten die Spitzen von Politik, Wirtschaft, Adel, Kirche usw., sie könnten ihn und seine Konsorten als so eine Art Wadenbeißer unter Kontrolle halten und für ihre Zwecke benutzen. Was daraus geworden ist, wissen wir alle ...
Liebe Humanisten, ich würde…
Liebe Humanisten,
ich würde euch die ständige Kritik an der AfD überzeugender abnehmen, wenn ihr
auch Autoren zu Wort kommen ließet, die 1. eine politische Zeitenwende nicht durch Ausgrenzung, sondern durch offene Auseinandersetzung auch mit der AfD für notwendig halten,
2. die zunehmende Militarisierung der deutschen Politik, insbesondere bei SPD und Grünen, mit derselben kritischen Schärfe unter humanistischen Gesichtspunkten untersuchen würdet und
3. euch bemühtet, diese politischen Konflikte auf Augenhöhe und mit erkennbar unterschiedlichen Positionen zu führen.
Die bekannten Argumentationsmuster von Tagesschau, Frankfurter Rundschau oder ZEIT zur AfD brauche ich nicht noch einmal im Humanistischen Pressedienst.
Ich verbinde mit Humanismus jedenfalls auch einen starken friedenshumanistischen Anspruch: Gewaltminimierung, Verständigung, Überwindung von Feindbildern, Abrüstung und den Vorrang ziviler Konfliktlösung.
Dieser Maßstab sollte konsequent gelten: nach innen im Umgang mit politischen Gegnern wie der AfD und nach außen im Umgang mit Russland.
Mein Stichwort dafür wäre: humanistische Deeskalation – gerade dort, wo politische Gegensätze besonders groß sind.
Es gibt sehr wohl Autoren…
Es gibt sehr wohl Autoren beim hpd, die keine Angst vor einer sachlichen Auseinandersetzung mit der AfD und deren Positionen haben.
U.a habe ich der hpd Redaktion mehrmals das Angebot unterbreitet als kritischer AfD-Wähler Beiträge zu verfassen.
Alle Angebote wurden höflich zurückgewiesen
Höfliche Frage: Was ist ein …
Höfliche Frage: Was ist ein "kritischer AfD-Wähler"?
Alles, was mir die Logik sagt, ist, dass Kritikfähigkeit und Wähler einer rechtsradikalen Partei nicht zusammenpassen.
Natürlich darf man AfD wählen. Sie steht auf dem Wahlzettel. Aber wenn man sich dazu entscheidet, dann gibt es für mich drei Optionen, die zu erklären:
1. Jemand hält diese Partei für harmlos, eventuell sogar für gut wegen ihrer markigen Sprüche.
2. Jemand ist Mitläufer, der die Partei mit dem größten Hype wählt, weil Umfragen dies suggerieren.
3. Jemand ist Überzeugungstäter und identifiziert sich mit den verfassungsfeindlichen Zielen dieser Partei.
Aus meiner Sicht ist das Kernproblem (wie bei Adolfs Volksempfänger), dass wir uns in einer Zeit des technischen Wandels befinden, wo Fernsehen immer weniger genutzt wird und manche sich inzwischen zu 100 % auf asoziale Hetzwerke verlassen, auf Verdummungsplattformen wie TikTok, die von Morgens bis Abend nur die eigene Filterblase bedienen, deren begrenzten Content man irgendwann für die einzige Wahrheit hält.
Wäre dies nicht so, dann dürfte niemand die AfD wählen, allein wenn man ihre Position zum Umweltschutz und zur Wehrfähigkeit Deutschlands kennt. Da muss ich die dumpfe Ausländerfeindlichkeit gar nicht erwähnen. Jeder, der sich objektiv informiert, weiß, dass die Erde ein massives Problem mit dem menschengemachten Klimawandel hat, der auf durch Menschen verursachter Umweltverschmutzung basiert. Dies zu leugnen zeugt nur von einem: Uninformiertheit! Brandgefährliche Uninformiertheit.
Dabei spürt es jeder, der in diesem Sommer seine vollklimatisierte Wohnung verlassen hat: Es war eben KEIN normaler Sommer, wie uns Herr Chrupalla mit grinsenden Gesicht einreden wollte. Das ist wissenschaftlich bewiesen.
Man müsste gar keine weiteren Punkte aus diesem AfD-Wolkenkuckucksheim hervorkramen, um zu wissen, dass die AfD gerade den Menschen extrem schaden würde, falls sie je an die Macht käme. Wären also alle Wähler objektiv und sachlich über die Fakten unserer sich im Wandel befindlichen Welt informiert, würde niemand die AfD wählen. Denn eines ist doch auch klar: Wenn wir alle Bemühungen zum Umweltschutz einstellten (Frau Weidel möchte sogar die schon existierenden "Windmühlen der Schande" (!!!) umhauen lassen), würde der Klimawandel beschleunigt und die Folge wäre: noch mehr Migration aus Ländern, in denen es schlicht zu heiß wird, um darin noch zu leben.
Aber Herr Siegmund möchte ja auch für diesen Fall - so vermute ich nach seinen Aussagen - noch Waffen in Deutschland produzieren lassen, um diese Menschen an der Grenze zu "neutralisieren". Oder will die AfD dies Putin überlassen, weil er mit dem Abschlachten von Menschen aktuell die größte Erfahrung hat?
Auf jeden Fall sollen wir uns - folge ich der AfD-Ideologie - nicht mehr gegen Putin wehren können, stattdessen sein Öl und Gas kaufen, damit er die Ukrainer endlich in Grund und Boden bomben kann.
Das alles sind doch keine zu leugnenden Fakten, die nur dann AfD-Wähler "entschuldigen" würden, wenn sie keine Ahnung davon haben, weil TiKTok darüber nichts berichtet.
Aber auch objektive Fehler der etablierten Parteien der Mitte entschuldigen nicht, Extremisten zu wählen. Würden Wähler sich wieder den demokratischen Parteien zuwenden und diesen den Rücken stärken, wäre dieser unvernünftige Wettkampf vorbei, wer nun der AfD noch ähnlicher sei, ohne sich völlig zu verbiegen. Gerade die CDU leidet darunter massiv. Wir brauchen endlich wieder klare Mehrheitsverhältnisse in der Politik. Wenn nicht, wird uns der Laden bald um die Ohren fliegen. Und dann will es wieder niemand gewusst haben...
Zugegebenermaßen bin ich mir…
Zugegebenermaßen bin ich mir unsicher, ob Sie sich absichtlich dumm stellen oder tatsächlich naiv sind. Ich gehe zu Ihren Gunsten, von Erstem aus.
In Ihrem Denken ist bereits von Anfang an ein Annahmefehler enthalten. Ich verstehe Sie so: Sie gehen davon aus, dass die AfD‑Wähler gegen ihre eigenen Interessen handeln. Vielleicht gehen Sie sogar so weit und halten diese Menschen für dumm.
Es gibt aber neben den von Ihnen genannten weiteren Optionen, warum die AfD gewählt wird:
4. Andere Themen sind weitaus wichtiger. Z. B. wird der Erhalt der Wirtschaft vor Umweltschutz gestellt. Dann wird die Kröte Migrationsfeindlichkeit als notwendiges Übel geschluckt.
Auch wenn es Ihnen (und wahrscheinlich dem Großteil unserer Mitbürger) missfällt, zuerst kommt das Fressen, dann die Moral.
Wie soll die Umwandlung der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Umweltanpassungen gelingen, wenn kein Geld dafür da ist?
Das Gleiche gilt für die Ukraine: mit welchem Geld sollen Waffen gekauft werden, wenn gleichzeitig der Abbau von tausenden Industriearbeitsplätzen geschieht?
Zu Ihrer Ausgangsfrage "Was ist ein kritischer AfD‑Wähler?": Ich kann hierbei nur für mich, meine Familienangehörigen und einige Arbeitskollegen sprechen. Das größte Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit richtet sich als Kulturkampf gegen den Islam und dessen menschenverachtende Auswüchse. Abgesehen davon, wird gelenkte Migration als Gewinn für die Gesellschaft gesehen.
Wir alle wissen, dass es eine Klimaveränderung gibt. Ich selbst bin für Windräder, bin für Solaranlagen, würde mir auch eine Wärmepumpe einbauen. Die Wärmepumpe scheitert an meinen Nachbarn :(
Gleichzeitig verstehe ich die Argumente der anderen Personen um mich herum.
1: Wie viele Kosten können wir unserer Wirtschaft und der Gesellschaft aufbürden, ohne diese dauerhaft zu beschädigen?
Bestes Beispiel hierfür sind die aktuellen Diskussionen, ob und welche Form von Subvention es für Autofahrer geben soll. Gleichzeitig fordern die selben Parteien und Personen höhere Energiepreise, damit es einen Handlungsdruck gibt.
2: Wie viele Menschen aus fremden Kulturen und mit einem anderen Verständnis von Gesetz, Ordnung, Menschenrechten, Gleichstellung von Frau und Mann, usw. können und wollen wir in unserer Gesellschaft aufnehmen?
Welche Fehlentwicklungen es gibt, können wir regelmäßig beim hpd lesen.
3: Wie wollen und können wir Leistung belohnen und Leistungsverweigerung bestrafen? Z.B. die steuerliche Besserstellung von Löhnen und Einkommen, Anpassung der Beitragsbemessungsgrenzen für die diversen Sozialversicherungen
4. Komplexität des Gesamtsystems. Welches Steuersystem wollen wir haben?
Was muss alles in welchem Umfang geregelt und reglementiert sein?
Wie viele Krankenkassen, Verkehrsverbünde, Landkreise, Bundeländer und damit jedesmal eine weitere Verwaltungseinheit wollen wir haben?
Ich halte AfD-Wähler nicht…
Ich halte AfD-Wähler nicht für dumm, aber z. T. für uninformiert oder bewusst falsch informiert.
Sie beschreiben eine Menge Punkte, die eigentlich (fast) jeder auch so sieht, doch Sie übersehen den Wesentlichen: Die AfD würde die Demokratie abschaffen, weil sie ihr im Wege steht beim Umbau unserer Gesellschaft zu einem Selbstbedienungsladen für AfD-Funktionäre. Siehe z. B. was Trump in den USA praktiziert oder was seit Jahrzehnten Putin in Russland praktiziert. Oder was AfD-Funktionäre bereits bei uns an "Vettern-Wirtschaft" praktizieren.
Die Republik, die den Funktionären vorschwebt, ist ein Staat, in dem Besserverdiener profitieren, während der normale, "kleine" Bürger auf der Strecke bleibt.
Dass man die Ukraine unterstützen MUSS (wenn man noch einen Funken Abstand besitzt), ist Putin zu "verdanken". Niemand hierzulande hat es sich ausgesucht, dass die Friedensdividende nicht mehr trägt. Und ein Sieg über die Ukraine würde natürlich weitere Gebietsansprüche nach sich ziehen. Medvedev hat es doch klar ausgedrückt, dass er das russische Territorium bis zur ehemaligen DDR-Grenze (Brandenburger Tor) sieht.
Dass es Probleme mit dem Islam gibt, bestreitet niemand ernsthaft und sicher gibt es da eine Kollision zwischen einem freundlichen und einem nach innen wehrhaften Staat. Doch das hat nichts mit dem Aussehen der Menschen oder gar ihrem Herkunftsland zu tun, sondern mit der Art, wie sehr sie sich an eine demokratische Staatsform anpassen wollen. Doch ich halte es für unglaubwürdig, wenn ausgerechnet die die Demokratie aushöhlende AfD den patriarchalischen und vorgestrigen Muslimen etwas beibringen wollen. Hitler hat schon mit Muslimbrüdern paktiert, weil braune Soße perfekt zum mittelalterlichen Islam passt. Das Staatsverständnis der AfD steht dem in Nichts nach.
Ich fürchte, dass Ihre richtigen Punkte, die sie anreißen, von der AfD nicht gelöst werden, sondern dass alles in einer Katastrophe endet. Im schlimmsten Fall in einem Bürgerkrieg, denn wir haben bereits heute einen extrem tiefen Graben zwischen AfD-Wählern und demokratischen Wählern. Eine gewisse Lust am Untergang kann ich hier schon erkennen...
Zuerst einmal möchte ich…
Zuerst einmal möchte ich mich für den Gedankenaustausch bedanken. Dieser konstruktive Umgang miteinander ist selten geworden.
Bei Punkt 1 stimme ich Ihnen zu, die Wähler sind unzureichend oder bewusst falsch informiert. Diese Tatsache ist aber ebenfalls bei anderen Parteien und Wählern der Fall, auch wenn in geringerem Maße.
Ein Teil meiner Arbeitskollegen konsumiert ausschließlich Telegram-Kanäle, rechte YouTuber und Podcasts und Formate wie NIUS und Auf1.
Bei Punkt 2 möchte ich Ihnen widersprechen. Bei uns in BaWü hat die CDU über Jahrzehnte einen SB-Shop betrieben. Daher haben wir ein grundsätzlicheres Problem. Unsere Staatsform ist IMHO deutlich resistenter als die US-amerikanische oder russische und verfügt über mehr Schutzmechanismen gegen Korruption.
Zu Punkt 3 (Ukraine) bin ich zwiegespalten. Krieg ist schlecht, keine Frage. Aber ob ein Stellvertreterkrieg besser ist, da habe ich große Zweifel. Wo hat der Westen im Irak eingegriffen, wo in Vietnam?
Klar ist es eine Form von Was-wäre-wenn, trotzdem bleibt die Kernfrage unbeantwortet. Wie lange wollen wir uns diesen Krieg noch leisten und welches Ergebnis ist erzielbar?
Zu Punkt 4: Der politische Islam wird offen von der Linken und teilweise auch den Grünen und der SPD hofiert, betüttelt und als Wohltat geframt. Antisemitismus ist ebenfalls auf breiter, gesellschaftlicher Front vertreten. Ein Parade-Negativbeispiel dafür sind die Vorfälle bei der Kleinstpartei Volt (dort war ich Mitglied)
Zum letzten Punkt: Wie ich die AfD und die anderen Parteien erlebe, ist tatsächlich überaus ambivalent. Für mich werden von der AfD Themen angesprochen, an die sich die anderen Parteien nicht herantrauen. Gleichzeitig erlebe ich diesen unglaublich ausgeprägten Konservatismus, was es für mich als liberalen und progressiven Menschen echt schwer macht. Gleichzeitig halte ich z. B. im Bildungsbereich viele der Vorschläge der AfD einfach nur für deppert.
Am Ende des Tages hängt alles in der Politik meiner Meinung nach von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Die Frage ist nur, ob wir wieder auf den Wachstumspfad kommen oder die Zeit für Reformen gegen die Demografiefalle bereits unwiederbringlich verstrichen ist.
Vielen Dank auch von mir…
Vielen Dank auch von mir. Ich liebe es, mit Menschen diskutieren zu können und sich nicht gegenseitig mit Meinungen abzuwatschen.
Ich gehe direkt bei Punkt 2 rein: Sie haben natürlich völlig Recht, dass es verlockend ist, es sich finanziell im Staatsdienst gemütlich zu machen und die Verwandtschaft "unterzubringen". Dass Korruptionsbekämpfung bei uns leichter geht als in anderen Staaten ist auch so. Mir ging es um etwas anderes: eine Partei wie die AfD, die bereits ohne staatstragende Ämter derart ausufernd ihre Familien in Lohn und Brot bringt, gibt für mich einen Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn sie eine Regierung anführen würde. Gar mit absoluter Mehrheit. Dann könnten wir bald russische Verhältnisse hier haben.
Und noch etwas zeigt das unstrittige Vorgehen der AfD: Was für eine Idee hat man dort von "Machtausübung"? Ich kann staatliche Macht dazu nutzen, für das Land Gutes umzusetzen oder ich kann egoistisch erst einmal an mich denken. Ich bin in diesem Punkt radikal und halte es mit John F. Kennedy, der von seinen Bürgern verlangte, erst an das Land und dann an sich zu denken. Umso mehr muss man dies von den StaatsDIENERN verlangen, die auf Basis eines Wählervotums für eine begrenzte Zeit diesen Dienst am Land erfüllen dürfen. Das ist ein Privileg!
Natürlich ist dies ein ewiger Kampf gegen die Schwäche von Menschen, die eher sich selbst dienen wollen. Während dies aber bei etablierten "Altparteien" eher Einzelfälle sind, sehe ich das bei der AfD als strukturelles Problem. Das ist das Wesen des Autokratismus, nämlich nach und nach die Kontrollmechanismen abzuschaffen, um sich letztlich ungestraft am Staatsvermögen zu bedienen.
Punkt 3: Auch hier nutzt ein Blick in die Vergangenheit wenig. Außer zu lernen, dass viel Leid hätte vermieden werden können, wenn man angegriffenen Ländern zu Hilfe gekommen wäre. Gerade die USA haben sich hier unrühmlich verhalten und waren viel zu lange der "Weltpolizist", der sich jedoch oft genug wie die heutigen ICE-Truppen von Trump verhielt. Aber die weltpolitische Lage ist aktuell einem massiven Wandel unterzogen. Letztlich wissen verantwortungsbewusste Politiker, dass wir eine geeinte Welt anstreben müssen, um die sinnlose Ressourcenverschwendung in Rüstung zu beenden. Wir brauchen jeden Cent für Umweltrettung (Schutz reicht schon nicht mehr) und Soziales, auch Infrastruktur, sodass wir uns anachronistische Kriege nicht mehr leisten können.
Auch hier hat die AfD falsche Ansätze, da sie einen vorgestrigen Nationalismus anstreben, am lieben die EU zerschlagen würden, zurück zur DM etc. pp. Wir alle kennen die Fieberfanatasien dieser Partei. Meine Fantasie sind die vereinigten Staaten der Welt, die friedlich, schiedlich zusammenarbeitet unter einer demokratischen Regierung in einer Staatsform, in der Religionen und andere Ideologien einen privaten Stellenwert haben ohne Anspruch auf Staatslenkung. Das würde enorme Ressourcen sparen und wir könnten das Projekt "Weltrettung" ernsthaft angehen und Flüchtlingsströme aus Kriegs-, Umwelt- oder Wirtschaftsgründen komplett beenden. Da die AfD das exakte Gegenteil anstrebt, muss ich deren Funktionären mangelnde Vision einer zukünftigen, funktionierenden und lebenswerten Welt unterstellen.
Punkt 4: Ja, Religionen insgesamt werden bei uns auf politischer Ebene oft verharmlost, sicher mit Blick auf Art. 4 GG. Deutschland hat auch eine Bringschuld in Bezug auf das Judentum, da sich gerade der Rechtspopulismus auf dessen Anhänger "eingeschossen" hat (teilweise im wörtlichen Sinne). Vor Anfang an gab es diese toxische Feindschaft und man sah sich als christliche Mehrheitsgesellschaft im Recht, die jüdische Minderheit zumindest auszugrenzen oder gar aktiv zu verfolgen (Martin Luther hat den völkischen Antisemitismus, der bis dahin eher ein Antijudaismus war, hoffähig gemacht (s. sein Buch "Von den Juden und ihren Lügen" [Alibri-Verlag]). Da der Islam seinerseits Europa erobern wollte und nur mit Mühe vor Wien gestoppt werden konnte, entstanden hier auch bis heute tradierte Ängste.
Diese Konflikte, die sich in brutalen Kriegen entluden (auch zwischen Katholiken und Reformern, s. den grausamen 30-jährigen Krieg), zeigen, dass Religionen Menschen nicht guttun, sondern nur von Machthabern genutzt werden, um das religiös fanatisierte Volk zu selbstmörderischen Aktionen zu verleiten. In diesem Punkt müssen alle Religionen "zurechtgestutzt" werden und sich selbst neu aufstellen, um keinerlei (!) Kollisionen mit demokratischen Strukturen zu provozieren. Das GG muss über allem stehen, irgendwann vielleicht sogar eine Weltverfassung, die ein friedliches Zusammenleben ermöglicht, in der Religion reinste Privatsache ist, die niemanden berechtigt, sich zum Herrscher über Dritte zu erheben, auch nicht über die eigenen Kinder. Also keinerlei Indoktrination, keine Genitalverstümmelung und selbstverständlich keine "Ehrenmorde", erzwungene Verhaltensweisen, sexuelle Übergriffe etc. pp.
Letztlich geht es um eine Weiterentwicklung der Zivilisation als solches. Auch hier sehe ich keinerlei Ansätze bei der AfD, sondern das Gegenteil, was nur zu neuen Konflikten führen muss. Das AfD-Denken spiegelt das völkisch-nationalistische Denken des 19. Jh., dass spätestes seit dem "Großversuch" im Dritten Reich brutalst möglich gescheitert ist.
Ihre Schlussbemerkungen: Dass etablierten Parteien heute oft genug eine Vision fehlt, ist unstrittig. Nein, man müsste wegen einer Vision nicht zum Arzt gehen, wie Helmut Schmitt einst äußerte, sondern wir müssten im gesellschaftlichen Konsens nach einer tragfähigen Vision suchen. Wo wollen wir hin? Welche Zukunft wollen wir, die uns erwartet? Leider arbeiten sich heute Parteien viel zu sehr und fast panisch an der AfD ab. Auch unterstützt durch eine grassierende "Umfrageritis" der Medien, die niemandem hilft außer den extremen Parteien (hier kürze ich ab, weil das sehr ins Psychologische geht). Asoziale Hetzwerke, die Echokammern und Filterblasen erzeugen und unterstützen, tun ein Übriges.
Mittel dagegen wären: Bildung, Bildung, Bildung der Bevölkerung! Auch Herzensbildung, den Ton ändern, in dem man miteinander spricht. Es geht um eine Zukunft der Menschen, in der jeder seinen Platz finden möchte. Egoisten sollten vom Altruismus überzeugt werden - indem sie erkennen dürfen, dass eine Welt mit Gemeinsinn auch für sie besser ist, als die rüpelhafte Raffgier des Egoismus. Wir müssten die "neue Welt" als vorteilhafter, besser darstellen, auch wenn der Weg dorthin (leider) ein steiniger sein wird. Aber diese Steine im Weg haben wir selbst dort hingelegt, eben durch Egoismus bis hin zum (teilweise religiös begründeten) völkischen Nationalismus.
Wir sind bereits unumkehrbar globalisiert. Es geht nur noch miteinander, nicht mehr gegeneinander. Diese Welt ist bereits untergegangen und wenn wir nicht bald die Kurve kriegen zur Zusammenarbeit - ungeachtet, wer mit wem zusammenarbeitet -, werden wir im Strudel dieser untergangenen Welt folgen. Die AfD will den Stöpsel in der Wanne ziehen, lasst sie uns gemeinsam daran hindern...
Sehr geehrter Herr Burchardt…
Sehr geehrter Herr Burchardt,
dazu ein paar Anmerkungen:
1.) Rechtsextremist:innen und Faschist:innen beim Namen zu nennen ist mir persönlich humanistisch genug. Und die Ausgrenzung beginnt bei der Ablehnung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordung. Damit ist es die AfD selbst, die sich und ihre Anhänger:innen ausgrenzt und vom Humanismus distanziert!
2.) Eine "politische Zeitenwende" kann man für notwendig halten, aber bestimmt nicht in Richtung Faschismus! Humanismus als Position der Vernunft würde hier zu mehr Klimaschutz, mehr Sozialstaat und mehr staatlicher Begrenzung von kapitalistischen Auswüchsen führen. Das ist aber weder mit CDU/CSU noch mit der AfD zu erreichen.
3.) "Die bekannten Argumentationsmuster von Tagesschau, Frankfurter Rundschau oder ZEIT zur AfD brauche ich nicht noch einmal im Humanistischen Pressedienst." Warum eigentlich nicht? Sie gehören eigentlich an die Hauswände geschrieben und vor jedes Youtube-Video geschaltet. Oder wollen Sie gar neue? Wie viele Argumente wollen Sie denn noch dafür, dass die AfD rechtsextremistisch ist?
4.) Wer in einer Bedrohungssituation die eigene Schwäche nicht erkennt, macht sich quasi schon zum Opfer. Nennen Sie es "Militarisierung" - aber was soll man sonst machen? Die andere Backe hinhalten? Das ist die christliche Moral der Schwäche, die (fast) NIE von den Kirchen praktiziert wurde. Und natürlich will niemand Krieg. Aber leider muss man sich in diesen Zeiten verteidigen können und für Diplomatie eben auch was Gewichtiges in der Hand haben. ; )
4.) Das gleiche gilt für die AfD. Rechtspopulisten und Faschisten halten sich nicht an die gleichen, sprich unsere Regeln. Sie lassen sich nicht argumentativ-intellektuell stellen. Sie müssen mit den Mitteln des Rechtsstaates verhindert werden.
Daher halte ich Ihren Ansatz - bei allem Respekt - für grundlegend falsch.
MFG
PS: Sie sprechen nur Männer an. Absicht? ; )
Wenn jemand die AfD…
Wenn jemand die AfD tatsächlich mit Meloni vergleicht, liegt derjenige meiner Meinung nach tatsächlich daneben, weil die AfD eher Trump nahesteht. Sie wird von Trump empfohlen und der AfD-Spitzenkandidat für MV meinte selbst, er würde "mit dickem Edding wie Herr Trump" die Kündigung des Staatsvertrages zum offentlich-rechtlichen Rundfunk unterschreiben. Während es zwischen Trump und Meloni andererseits eher kriselt.
Und bei Trump ist eindeutig zu sehen, wie er alles kaputt macht. Kaum zu erwarten, dass es mit der AfD besser läuft.
ABER: Solange die Politiker der demokratischen Parteien in Deutschland so viel Mist fabrizieren, wird das ganze nichts nützen! Und da habe ich ehrlich gesagt langsam keine Hoffnung mehr, dass sich das bessert. Peter Kurz plädiert in diesem Artikel hier dafür, die AfD nicht ans Ruder zu lassen. Dafür bin ich auch, aber wie?!? Wenn es so weiter geht, hat die AfD bei der nächsten Wahl in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit und kann vollkommen ungehindert durchregieren. Während der Spielraum für Koalitionen ohne AfD immer enger wird und damit die Chancen auf eine erfolgreiche Regierung immer geringer.
So sehr mich dieser Gedanke auch anwidert, aber das könnte eine der letzten Chancen sein, die AfD sich selbst in einer Koalition "entzaubern" zu lassen, bevor sie keine Koalition mehr nötig haben!
Und nein, die Bevölkerung von Sachsen-Anhalt ist mir dabei überhaupt nicht egal, aber ich denke auch an die Menschen im gesamten Deutschland. Ich sehe einfach keine andere Möglichkeit mehr. Jemand anderes vielleicht sinnvolle Vorschläge?
Danke. Der Artikel stellt…
Danke. Der Artikel stellt klar wie in den letzten Jahren durch die Politik massiv in Gesellschaftliche Entwicklungen eingegriffen wurde und wodurch die Demokratie gefährdet ist. Aber statt sich Gedanken zu machen, wie man die beeinflussbaren Strukturen stärken könnte, wird schon darüber spekuliert wie der potentiellen afd Regierung schaden zugefügt werden kann. Das alles ist vermutlich unter dem Begriff "unsere Demokratie" zu sehen. Das Volk - also der Wähler ist nicht mehr der Entscheidungsträger, es entscheidet die Klasse die definiert.
Sehr aufschlussreich! Da…
Sehr aufschlussreich! Da wird doch deutlich, daß die Demokratischen Strukturen missbraucht werden sollen, um die antidemokratischen Interessen durchzusetzen.
Diese Missbrauchsmöglichkeit…
Diese Missbrauchsmöglichkeit ist die Stärke und die Schwäche der Demokratie zugleich. Indem sie sich für jede Strömung öffnet (um eben nicht autoritär den Kurs festzulegen), lässt sie auch den Extremismus als politische Alternative zu. D. h. während Autokraten in einer Diktatur einfach den Kurs vorgeben und das Volk hat zu folgen, muss die Demokratie jeden Tag Überzeugungsarbeit beim Volk leisten. Dies steht und fällt mit dem demokratischen Führungspersonal und der Lernbereitschaft der Bürger. Daran hapert es derzeit, was aber Extremisten nicht wählbarer macht.
Wir sollten also derzeit den Fokus eher auf Verteidigung der Demokratie an sich legen und nicht das aktuelle Führungspersonal verteidigen. Denn damit könnte man Wähler abholen, nicht die Demokratie zu zerstören, weil sie der einzige Garant für eine freie und offene Gesellschaft ist. Kurzum: Es geht nicht um Merz oder Höcke, sondern um freie Gesellschaft oder autokratische Kontrollideologie...