Streit um Stolpersteine in Heidenau: Wenn das Gedenken ins Rutschen gerät
Die Debatte um das würdige Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus ist erneut entbrannt, nachdem der Stadtrat im sächsischen Heidenau weitere Stolpersteine verhindert hat. Eine Mehrheit aus CDU und AfD stützte sich dabei auf das altbekannte Argument, das Betreten der Gedenksteine sei unwürdig. Ob hinter der vordergründigen Diskussion über die Form der Erinnerung weitere Motive stecken, ist unklar.
Foto: petrOlly via flickr CC BY-NC-ND 2.0
Über die sogenannten „Stolpersteine”, golden glänzende Steine, die vor Ort an ihrem letzten Wohnort an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, ist schon viel gestritten worden. Aktuell gibt es nun eine Debatte im beschaulichen Örtchen Heidenau, da eine Mehrheit bestehend aus CDU und AfD das Verlegen neuer Steine in dem Ort verhindert hat. Was war passiert?
Der Verein Alternatives Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz, kurz Akubiz, wollte zwölf neue Steine verlegen, zusätzlich zu den fünf, die bereits verlegt sind. Eine Stadtratsmehrheit stimmte jedoch für einen Antrag einer lokalen Bürgerinitiative, nach der die Bewilligung dieser Form des Gedenkens künftig abgelehnt werde. Stattdessen wolle man einen einheitlichen Gedenkort auf dem lokalen Friedhof einrichten. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass es unwürdig sei, auf Gedenksteine zu treten und diese mit den Füßen zu beschmutzen.
Diese Form der Argumentation ist nicht neu und auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hatte so schon argumentiert. Aus diesem Grund werden in München beispielsweise keine Stolpersteine verlegt und stattdessen Gedenktafeln an den Hausfassaden angebracht. Diesmal zeigte sich jedoch auch Knobloch empört. Die ZEIT hat mit René Kirsten von der Bürgerinitiative Oberelbe für mehr Demokratie, die den Antrag eingebracht hat, gesprochen und auch er spricht davon, dass man den Opfern „auf Augenhöhe gedenken und nicht auf ihnen herumtrampeln” müsse. Geht es also wirklich nur um die Frage, wie man der Opfer des Nationalsozialismus angemessen gedenken kann?
Diesen Punkt kann man sicherlich ernsthaft diskutieren. Ob er aber vielleicht nicht nur vorgeschoben ist, wird dann fraglich, wenn man sieht, was Kirsten noch so von sich gibt. Im Gespräch mit der ZEIT fragt er nicht nur danach, wie gedacht wird, sondern auch wem gedacht wird und kommt dann plötzlich auf seinen Großvater zu sprechen, der zwangsweise zur Wehrmacht einberufen worden sei und auch nicht „weniger wert” gewesen sei, „nur weil er nicht jüdisch war”. An dieser Stelle kann man sich nur wundern. Verquickt hier jemand eine schmerzhafte Familienerinnerung mit öffentlichem Gedenken oder geht es um noch finsterere Motive? Für die CDU-Ratsmitglieder, die gemeinsam mit der AfD dafür stimmten, ist dies jedoch sicherlich kein guter Rahmen. Insbesondere wenn man weiß, dass die Union für den interfraktionellen Antrag auf die AfD zugegangen sei und nicht umgekehrt. Angeblich sei es für alle Beteiligten klar, dass es einen Konsens gebe, dass es ein Gedenken brauche. Ob dem aber wirklich so ist, das lässt sich von außen nicht feststellen.
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