Keine Frauen auf dem Eiffelturm
Eine hinduistische Besuchergruppe verlangte, dass weibliche Beschäftigte, die auf dem Eiffelturm Dienst tun, während ihres Besuchs nicht zu sehen sein dürfen. Die Betreibergesellschaft kam der Forderung nach. Das sorgt in Frankreich für Empörung und hat einen Streik der Beschäftigten ausgelöst.
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Der Eiffelturm ist nicht nur das Wahrzeichen von Paris, sondern eine der weltweit am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten. Knapp sieben Millionen Menschen besteigen alljährlich den 312 Meter hohen Turm. Zu den Besuchern zählten auch rund hundert Männer einer hindunationalistischen Religionsgemeinschaft. Laut Le Parisien stellte die Gruppe, zu der auch Geistliche gehörten, gegenüber der Betreibergesellschaft des Eiffelturms eine Bedingung: Das weibliche Personal des Denkmals müsse „aus dem Weg geräumt“ werden. Die Geschäftsleitung setzte den Wunsch vollständig um. Die Delegation besichtigte daraufhin die dritte Etage ausschließlich in Begleitung männlicher Mitarbeiter, während sich die weiblichen Beschäftigten in Nebenräume zurückziehen mussten.
Empörung über die Entscheidung
Die Entscheidung hat in Paris und Frankreich große Wellen geschlagen. Aus Protest legten alle Beschäftigten die Arbeit nieder, so dass der Eiffelturm am Montag geschlossen blieb. In der französischen Presse und Politik entbrannte rasch eine Debatte über den Vorfall, an der sich auch der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire beteiligte und darauf verwies, man könne solche Zustände nicht tolerieren. „Das entspricht weder meinen Werten noch denen, für die der Eiffelturm stehen sollte, wo sich jede und jeder frei bewegen und handeln können muss, ohne Unterschied zwischen Frauen und Männern. Es ist dringend notwendig, dass die Fakten, die zu dieser Mobilisierung geführt haben, vollständig aufgeklärt werden.“
Die Staatssekretärin für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Aurore Bergé, äußerte sich ähnlich: „In Frankreich verlangt man von Frauen nicht, sich zurückzuziehen.“ Sie machte auf X deutlich, dass kein Dogma und keine Religion über den Gesetzen der Republik stehe. Auch konservative Politiker wie Bruno Retailleau antworteten scharf: „In Frankreich sortiert man Franzosen nicht nach den Wünschen derjenigen, die das Land besuchen. Unsere Prinzipien stehen nicht zum Verkauf.“
In zahlreichen Zeitungskommentaren wird der Vorfall als fatales Signal für die französische Laïcité (die strikte Trennung von Staat und Religion) gewertet. Kritisiert wird insbesondere, dass religiöse Rücksichtnahme hier so weit ging, dass Frauen aus dem öffentlichen Blickfeld verschwinden mussten. Für zusätzliches Unverständnis sorgt, dass der Besuch vom staatlichen Tourismusbüro „Atout France“ organisiert worden war.
Inzwischen hat sich die Betreibergesellschaft des Eiffelturms (Sete) entschuldigt: „Wir werden aufklären, was geschehen ist, und die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen“, sagte deren Präsident Ariel Weil der Nachrichtenagentur AFP.
Auch die Hinduorganisation Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha reagierte auf X und versuchte, den Vorfall zu relativieren: „Nach unserem Kenntnisstand wurde zu keinem Zeitpunkt irgendjemandem der Zugang zum Eiffelturm verwehrt. Wir möchten uns dennoch aufrichtig bei allen entschuldigen, die durch diese Situation verletzt oder belästigt worden sein könnten.“
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