Fünf Jahre Taliban: Das Leben von Frauen als Menschen zweiter Klasse

Ein halbes Jahrzehnt ist nun vergangen, seitdem die Taliban in Afghanistan wieder die Macht ergreifen konnten. In einem neuen UN-Bericht werden die Stimmen der dort unterdrückten Frauen gehört. Welchen Repressalien sie ausgesetzt sind und welche Sorgen sie haben – aber auch ihre Träume und Hoffnungen.

Eine Gruppe Frauen in Burkas

Ein aktueller Bericht von UN Women zieht eine erschreckende und gleichzeitig wenig überraschende Bilanz der Taliban-Herrschaft in Afghanistan für Frauen und Mädchen. Er basiert auf landesweiten Befragungen von über 3.000 afghanischen Frauen und etwa halb so vielen Männern.

Unter den Taliban ist die Bewegungsfreiheit von Frauen extremst eingeschränkt. Mehr als die Hälfte von ihnen verlasse ihr Zuhause nur zwei Mal im Monat oder weniger. Besonders betroffen seien Frauen ohne formale Bildung. Im Vergleich: 96 Prozent der Männer gehe jeden Tag in die Öffentlichkeit. 90 Prozent der Frauen erklärten, die Erlaubnis eines männlichen Familienmitglieds einholen zu müssen, bevor sie das Haus verlassen. Ohne die Begleitung eines männlichen Vormunds würden sich 75 Prozent der Frauen draußen nicht sicher fühlen. 56 Prozent meiden öffentliche Bereiche wie Märkte oder Gesundheitseinrichtungen.

Die allermeisten afghanischen Frauen (91 Prozent) gaben an, nicht die Werte der Taliban in Bezug auf Bildung und ökonomische Möglichkeiten von Frauen und Mädchen zu teilen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sieben von zehn der Frauen ihre mentale Gesundheit als schlecht oder sehr schlecht bezeichnen. Früher hätten die Hoffnungen von Müttern auf der Bildung ihrer Tochter gelegen. Heute seien es hingegen arrangierte Ehen, da viele nichts anderes mehr für realistisch hielten. 2021 hatten die Taliban Frauen und Mädchen Bildung über die 6. Klasse hinaus verboten. Doch noch immer träumen afghanische Frauen von einem selbstbestimmten Leben. Nach ihren größten Lebenszielen gefragt, waren die häufigsten Antworten „gleiche Rechte zwischen den Geschlechtern“, „ein unabhängiges Einkommen verdienen“ und „ein eigenes Haus besitzen“. Nur 13 Prozent der unverheirateten Frauen nannten Ehe als Priorität – jedoch 37 Prozent der unverheirateten Männer. Entsprechend wurde das Motto bei Frauenprotesten „Brot, Arbeit, Freiheit“.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Mehr als 100 Dekrete wurden seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 gegen Frauen und Mädchen erlassen. Unter anderem ist Gewalt in der Ehe nun straffrei, wenn nicht sichtbare körperliche Verletzungen die Folge sind. Ehemänner wurden zu rechtlichen Autoritätspersonen ihrer Ehefrauen ernannt und auf Reisen muss immer ein männlicher Vormund zugegen sein. Nur 7 Prozent der Frauen sind noch erwerbstätig gegenüber 84 Prozent der Männer. Afghanistan hat aktuell die weltweit höchsten Müttersterblichkeitsraten. UN Women Austria spricht von „geschätzten 638 mütterlichen Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten im Jahr 2024“. Dies ist auch eine direkte Folge des Verbots der medizinischen Ausbildung von Frauen, da so entsprechendes weibliches Fachpersonal fehlt, das als einziges eine Frau behandeln dürfte.

Am 8. Juli 2025 wurden vom Internationalen Strafgerichtshof zwei Haftbefehle gegen hochrangige Taliban-Führer erlassen. Die Anschuldigung: „Verbrechen gegen die Menschlichkeit der geschlechtsspezifischen Verfolgung von Frauen, Mädchen und nicht geschlechtskonformen Menschen.“ Auch Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International erheben diesen Vorwurf.

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Luca La Mendola

Der Autor hat einen Bachelor in Politikwissenschaft und Religionswissenschaft von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Aktuell studiert er Journalismus im Master in Mainz. Nachdem er bereits im Rahmen von Praktika journalistisch für das ZDF und die FAZ tätig war, absolviert er derzeit eines beim hpd.

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