Ägypten

Islamgelehrte verurteilen aktuelle Ausgabe von "Charlie Hebdo"

Die erste Ausgabe des Satiremagazins Charlie Hebdo nach dem Terroranschlag wird in diesen Tagen verkauft. Ägyptische Islamgelehrte haben das Titelblatt scharf kritisiert.

Ein weinender Allah, der sagt: "Alles ist vergeben", ist für die Islamgelehrten eine "ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit" und werde eine neue Welle des Hasses in der französischen und in westlichen Gesellschaften auslösen.

Für die maßgeblichen Gelehrten sei das "nicht förderlich für das Zusammenleben und den Dialog, um den Muslime sich bemühten." Einen Dialog, in dem man offenbar keinerlei Kritik äußern darf.

Im gleichen Ägypten sind Atheisten "die am wenigsten geschützte Minderheit, obwohl die Verfassung angeblich Glaubens- und Meinungsfreiheit garantiert." Darauf weist Human Rights Watch (HRW) aktuell hin. "Seit dem Aufstand gegen den früheren Langzeitherrscher Hosni Mubarak im Frühjahr 2011 habe die Zahl der Anklagen wegen Gotteslästerung stark zugenommen."

Quelle

Kommentare (3)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mi. 14 Jan 2015 - 11:22

Ich finde das Titelblatt außerordentlich versöhnlich. Doch die formalistischen Korinthenkacker in Ägypten - offenbar keine "Islamisten", sondern islamische Funktionäre - wollen das nicht verstehen. Der "Dialog, um den Muslime sich bemühten" bleibt eine typische Worthülse, wenn diese Menschen nicht verstehen wollen, dass Dialog etwas mit Austausch von Meinungen zu tun hat, der auf Augenhöhe geschieht. Offensichtlich hat niemand im Islam eine Deutungshoheit über die Religion, aber jeder tut so, als hätte er sie. Als ich vor über zehn Jahren in Ägypten war, habe ich ein freieres Land erlebt. Der unflexible Wind des Islams weht nun wieder stärker und bläst alles weg, was Voraussetzung für zielgerichteten Dialog ist. Ich muss dem entnehmen, dass es für die muslimischen Funktionäre nur ein "Weiter so" gibt. Bleibt einzig die Hoffnung, dass eines Tages die muslimische Bevölkerung den Mut hat, gegen seine religiösen Betonmaurer vorzugehen und den Islam von unten her zu reformieren. Es gibt zaghafte Anzeichen, dass die gelingen mag, doch jetzt sind unsere Politiker gefragt, nicht dieses dumme "Toleranzgeschwätz" abzulassen und zu verkünden, der Islam gehöre zu Deutschland. Die Menschen, die gegen ihren Willen islamisch indoktriniert wurden, also die Muslime, gehören nach Deutschland, nach Europa, in die ganze Welt. Aber ein Islam, wie er uns wieder durch den Großmufti von Kairo entgegentritt definitiv nicht.

Martin (nicht überprüft)

Mi. 14 Jan 2015 - 21:15

Nicht ein weinender Allah, sondern ein weinender Mohammed soll es wohl sein, der die Charlie Hebdo so versöhnlich ziert.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Do. 15 Jan 2015 - 05:48

Diese Verurteilungen von in ihren religiösen Gefühlen verletzten Muslimen zeigen einmal mehr, dass es DEN Islam, der angeblich zu Deutschland gehört, nicht gibt, werte Mutti. Und sog. 'heilige' Schriften je nach Gusto ausgelegt werden.

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