Kommentar

AfD-Pläne für Sachsen-Anhalt: Jetzt wird durchregiert!

Die AfD kann in Sachsen-Anhalt erstmals an die Regierung kommen. Sie bereitet sich auf die Machtübernahme vor. Was sie plant, verändert nicht nur das Bundesland. Die etablierten Parteien schauen zu.

Autobahnschild Sachsen-Anhalt
Ob der Slogan auf dem Autobahnschild weiterhin zu Sachsen-Anhalt passt, wenn die AfD dort regieren sollte?

Die AfD eilt von Erfolg zu Erfolg. In Sachsen-Anhalt rechnen die Rechtsextremen siegesgewiss damit, nach der Landtagswahl am 6. September ohne lästige Koalitionsverhandlungen die alleinige Macht zu übernehmen. Ihr Spitzenkandidat, der 35-jährige Ulrich Sigmund, ein smarter Typ mit solider rechtsextremistischer Gesinnung, will der erste AfD-Ministerpräsident in Deutschland werden – und seine Chancen stehen gut. Bei der jüngsten Umfrage kommt seine Partei in Sachsen-Anhalt auf 41 Prozent. Auf dem Parteitag in Magdeburg verkündete er: "Wir sind die Zukunft“. Er macht keinen Hehl daraus, sich nicht aufhalten zu lassen.

In einem 100-Tage-Sofortprogramm für Sachsen-Anhalt macht seine Partei “Nägel mit Köpfen”: Rundfunkverträge sollen kündigt werden, mehr Mi­gran­tIn­nen abgeschoben und dafür zusätzliche Abschiebehaftplätze und ein spezieller “Arbeitsstab” geschaffen werden. Die Regenbogenflagge an öffentlichen Gebäuden wird verboten, dafür die Deutschlandfahne in Schulen gehisst und zu Schulfesten soll die Nationalhymne gesungen werden. Vereine und Organisationen, die sich um Demokratiebildung kümmern, will man loswerden, (… diesen “NGO-Sumpf!”), die Landeszentrale für Politische Bildung soll einem “Institut für Patriotismus” weichen. Auch eine PR-Kampagne unter dem Motto #deutschdenken! ist geplant. "Wir wollen unser altes sicheres Deutschland zurück!“, heißt es zusammengefasst im Wahlprogramm (siehe dazu auch diesen Artikel). Auch das Führungspersonal in Behörden und Ministerien soll ausgetauscht werden, widerständige Staatsdiener will man gefügig machen, indem man ihnen unbequeme Posten androht oder eine Versetzung fern des Wohnorts. Die Botschaft ist klar: Wir übernehmen das Land − jetzt wird durchregiert!

Provokante Formulierungen, fragwürdige Positionen

Was tun? Die Partei, die alles, was die gegenwärtige politische kulturelle Identität unserer Republik ausmacht und zusammenhält mit allen Mitteln bekämpft, rüttelt offen an den Grundlagen unserer Demokratie – radikal und strategisch. Ihre Radikalisierung kann man an provokativen Formulierungen und fragwürdigen Positionen festmachen. Ihre Dynamik, der schier unaufhaltsame Drang zur Zuspitzung und Verschärfung, er bestimmt mittlerweile die politische Tonalität in unserem Land. Die AfD plant ein anderes Deutschland. Nehmen wir Abschied von der Demokratie und merken es nicht?

Der CDU, der SPD, den Grünen und den Linken jedenfalls fällt zu all dem wenig ein. Öffentliche Debatten über die drohende Machtübernahme finden kaum statt − zumindest nicht hör- und sichtbar. Es herrscht kollektives Beschweigen. Die etablierten Parteien wollen das Thema flach halten. Man wolle der AfD keinen Auftrieb geben, am besten “klein-ignorieren”. Ist es politische Dummheit oder demokratische Feigheit? In jedem Fall eine gefährliche Ignoranz. 

Vielleicht sind es die kleinen Parteien in Sachsen-Anhalt, die laut Umfragen an der Fünfprozenthürde kratzen, die es durch ihren Sprung ins Parlament schaffen, eine AfD-Mehrheit zu verhindern. Noch besteht ein Rest an Hoffnung.

Von Helmut Ortner erschien zuletzt: Gnadenlos Deutsch. Täter, Helfer, Zuschauer – und die Entsorgung der NS-Zeit, Alibri Verlag, 320 Seiten, 24 Euro

Kommentare (5)

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Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mi. 15 Jul 2026 - 17:11

Ja, Schüler sollen die Nationalhymne singen - und dann über die Bedeutung der ersten Zeilen sinnieren: "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!" Diese drei Wünsche sind Anti-AfD! Weder kann diese Gruppierung für Einigkeit sorgen (außer erzwungen), noch Recht aufrechterhalten (außer das eigene, zum Recht umdefinierte Unrecht) und mit Freiheit im Wortsinne kann sie schon dreimal nichts anfangen.

Die historischen Nazis sind der Beweis für den Umgang dieser Gesellen mit der Nationalhymne. Damals sangen sie noch "Deutschland, Deutschland über alles..." und was taten sie realpolitisch? Nie war Deutschland tiefer im Dreck, als sie fertig waren.

Heute werden sie vermutlich neben Nicht-Ariern gegen die Umwelt kämpfen, damit die Sommer noch geiler werden und wir endlich die 50-Grad-Marke knacken. Damit Deutschland wieder Rekorde schreibt. "Grill-baby-grill" das ganze Jahr.

Wir sollten nicht ruhen, dafür zu sorgen, dass Einigkeit und Recht und Freiheit nicht wieder in der braunen Scheiße untergehen. Noch haben wir eine Chance...

Mark (nicht überprüft)

Mi. 15 Jul 2026 - 18:54

"Die etablierten Parteien schauen zu." Man kann die AfD noch so sehr kritisieren, auf ihre fragwürdigen Aussagen und Programm hinweisen, vor einer neuen Dikatatur waren, dass wird nicht funktionieren. So hat die Regierung versucht die AfD in den letzten Jahren zu schwächen, hat eher das Gegenteil bewirkt. Die Aufklärungskampagnen gegen die AfD scheirrten, weil die NGOs nicht an derren Wähler und Anhänger kaum rankommen.

Regina Buhl (nicht überprüft)

Do. 16 Jul 2026 - 11:47

Sollte die AFD das 100 Tage Sofortprogramm umsetzen, könnte das vielleicht ein abschreckendes Beispiel für die Frust- und Protestwähler darstellen und den Durchmarsch der Partei aufhalten.

Das ist ein gefährliches Spiel. Denn die Partei könnte eine Menge Schaden anrichten, der ihr zwar auf die Füße fiele (wie Trumps Hauruck-"Politik"), aber sie würde zum einen diesen Schaden (wie Trump) der politischen Konkurrenz in die Schuhe schieben - was AfD-Wähler blind glauben würden - und zum anderen würden sie fünf Jahre lang Schäden anrichten können. Würden sie im Bundesrat oder in der Bundesregierung blockiert, wäre dies Munition für die AfD, an ihren Verschwörungsmythen zu basteln, was eher weiteren Zulauf bewirken könnte.

Die NSDAP wurde auch demokratisch an die Macht gewählt, sie hat Deutschland erkennbar in die Scheiße geritten und doch ist der Lerneffekt heute im Schwinden begriffen. Die Eltern der heutigen Jungwähler (die überproportional AfD wählen), kennen die Folgen des Dritten Reichs nicht mehr. Meine Eltern konnten mir davon noch erzählen und ich wusste: NIE WIEDER!

In meiner Jugend waren es die Altnazis, die NPD gewählt hatten und wir trösteten uns damit, dass die Ewiggestrigen langsam aussterben. Jetzt sind sie wieder da, die "nicht-im-hier-und-heute-ankommen-Wollenden" - mangels politischer Bildung. Leider grassiert dieser Rechtsruck global und was dieser wachsende Nationalismus bedeutet - im Zeitalter der Atombomben - kann ich mir ohne viel Fantasie ausmalen...

RPGNo1 (nicht überprüft)

Fr. 17 Jul 2026 - 08:36

"Grundgesetz, Artikel 37
(1) Wenn ein Land die ihm nach dem Grundgesetze oder einem anderen Bundesgesetze obliegenden Bundespflichten nicht erfüllt, kann die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates die notwendigen Maßnahmen treffen, um das Land im Wege des Bundeszwanges zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten.
(2) Zur Durchführung des Bundeszwanges hat die Bundesregierung oder ihr Beauftragter das Weisungsrecht gegenüber allen Ländern und ihren Behörden."

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/laender-bund-bundeszwang-100.html

Helmut Ortner

Der Autor (1950) ist Beiratsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, die in über 14 Sprachen erschienen sind. Zuletzt: "EXIT. Warum wir weniger Religion brauchen – Eine Abrechnung", mit Beiträgen von namhaften Köpfen der säkularen Szene. Nomen Verlag, Frankfurt 2019.

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