Rezensionen

Frauen in der Neonazi-Szene

(hpd) Die beiden Journalisten Andrea Röpke und Andreas Speit berichten in ihrem Buch „Mädelsache“ anhand von Fallbeispielen über die Rolle von Frauen im Rechtsextremismus. Die Stärken des Buches liegen im plastischen Eindruck als Ergebnis von investigativen Recherchen, die Schwächen im Fehlen differenzierter Einschätzungen zur Entwicklung des Frauenanteils in diesem politischen Lager.

Ein Jugendbuch für neugierige Erwachsene

(hpd) Ich fühle mich selber und sehe auch andere oft ausgeschlossen aus den wirklich wichtigen Debatten dieser Zeit, weil die „Geheimsprache“ der Philosophen vor uns vieles mehr versteckt denn erhellt. Das neue Buch von Michael Schmidt-Salomon „Leibniz war kein Butterkeks“ hilft dem ab.

Die zentralen Gründe für politische Umbrüche

(hpd) Der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse beschreibt und vergleicht in seinem Buch „Systemwechsel in Deutschland. 1918/19 – 1933 – 1945/49 – 1989/90“ die im Titel genannten politischen Umbrüche. Das Werk zeichnet sich durch die konsequente Umsetzung eines Analyseprogramms und eine klare Systematisierung des Stoffs aus.

Islamdebatte: Polemik gegen Polemik

(hpd) Patrick Bahners, Feuilletonchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, kritisiert die Auffassungen und Schriften von angeblichen „Islamkritikern“ wie Henryk M. Broder, Necla Kelek oder Thilo Sarrazin. Dabei setzt er deren Dramatisierung, Einseitigkeit und Polemik leider eine eigene Dramatisierung, Einseitigkeit und Polemik entgegen, ohne den Unterschied zwischen dieser „Islamkritik“ und einer aufklärerischen Islamkritik zu berücksichtigen.

Rechtsextremismus im ländlichen Raum

(hpd) Der von den Politikwissenschaftlern Hubertus Buchstein und Gudrun Heinrich herausgegebene Sammelband präsentiert eine Reihe von Fallstudien zur Interaktion von demokratischen Akteuren und rechtsextremistischen Kräften. Daraus lassen sich zwar keine Musterlösungen aber wertvolle Erkenntnisse zur Entwicklung von Gegenstrategien ableiten, was aber jeweils eine Analyse der Mobilisierungsstrategien von Akteuren aus diesem Lager voraussetzt.

„Letzte Bekenntnisse eines heiligen Ketzers“

(hpd) Religionskritik ist einfach. Denn die Wirklichkeit ist auf der Seite von jedem, der sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen möchte. Aber wie ist es möglich, ein leicht verständliches und empfindsames Plädoyer für eine säkulare und humanistische Lebensperspektive zu formulieren? Adam Hieronymos ist es jedenfalls gelungen.

Die sieben Kardinal-Untugenden der Kirche

(hpd) Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf spricht in seinem Buch von den sieben Kardinal-Untugenden der Kirchen: Sprachlosigkeit, Bildungsferne, Moralismus, Demokratievergessenheit, Selbstherrlichkeit, Zukunftsverweigerung und Sozialpaternalismus. Auch wenn es sich dabei nur um eine Sammlung von Essays handelt, verdient diese interne Kritik Beachtung, auch und gerade hinsichtlich solcher Aspekte wie der konstatierten mangelnden Bereitschaft der Kirchen zur Akzeptanz der Normen und Regeln des demokratischen Diskurses.

Herrschaftssicherung und Sturz autoritärer Regime

(hpd) Nahezu zeitgleich zum politischen Sturz autoritärer Regime im Vorderen Orient erscheint ein von den Politikwissenschaftlern Holger Albrecht, Rolf Frankenberger und Siegfried Frech herausgegebener Sammelband. Die darin enthaltenen Beiträge beschreiben und analysieren die Mechanismen zur Aufrechterhaltung diktatorischer Regime und werfen dabei einen kritischen Blick auf die pseudo-demokratischen Legitimationsformen.

Biographie eines „freischaffenden Nazis“

(hpd) Der Journalist Willi Winkler präsentiert die Biographie eines „freischaffenden Nazis“, der nach 1945 aus einem dubiosen Netzwerk heraus nationalsozialistische Kriegsverbrecher ebenso wie palästinensische Terroristen unterstützte. Der gut lesbaren und strukturierten Lebensbeschreibung fehlt es leider an einer erörternden Deutungen dieser politisch etwas absonderlichen Konstellation im „Zeitalter der Extreme“.