Die Endzeit ist nah: JD Vance will Gottes Werk vollbringen
Der US-amerikanische Vizepräsident hat in einem Podcast Einblicke in sein religiöses Weltbild gegeben. Dabei sprach er über den Antichristen, eine bevorstehende Endzeit und die Möglichkeit, dass sein eigenes politisches Handeln diese Entwicklung beschleunigen könnte.
Foto: Office of the Vice President of the United States public domain
JD Vance hat ein bemerkenswert entspanntes Verhältnis zur Apokalypse. In einem Podcast-Interview mit Bryce Crawford, einem 22-jährigen evangelikalen Moderator mit mehr als einer Million YouTube-Abonnenten, sprach der US-Vizepräsident ausführlich über die biblische Endzeit, den Antichristen und seine Vorstellung vom eigenen politischen Auftrag.
Vance, der 2019 zum Katholizismus konvertierte, hat gerade sein Buch „Communion: Finding My Way Back to Faith“ veröffentlicht, in dem er seinen Weg zurück zum christlichen Glauben schildert. Es geht um Schuld, Sünde und Erlösung, aber er beschreibt auch, wie sehr sein Glaube inzwischen sein Leben und seine Arbeit als Politiker prägt.
Im Gespräch mit Crawford wurde es allerdings deutlich apokalyptischer. Auf die Frage nach der Endzeit erklärte Vance, er habe sich schon immer für die biblische Eschatologie interessiert. Es würde ihn nicht überraschen, wenn der Antichrist bereits „unter uns“ weile. Zugleich wolle er sich nicht zu sehr mit solchen Vorstellungen beschäftigen.
Denn Vance hat offenbar Wichtigeres zu tun: Gottes Werk. „Ich neige dazu zu denken: Auch wenn es mich nicht schockieren würde, wenn wir in der Endzeit leben würden, versuche ich mich darauf zu konzentrieren, gerade jetzt so viel von Gottes Werk wie möglich zu vollbringen.“
Wenn Politik zum Gotteswerk wird
Besonders bemerkenswert ist eine andere Aussage des Vizepräsidenten: „Wenn meine Arbeit zur Endzeit führt, okay, und wenn das dazu führt, dass wir eine bessere Welt aufbauen, die gedeiht und noch sehr lange nach meinem Tod weiterbesteht, dann ist das auch großartig.“
Das ist mehr als ein schräges religiöses Weltbild. Vance spricht ausdrücklich über seine eigene politische Arbeit und darüber, dass sie möglicherweise die Endzeit herbeiführen könnte. Gleichzeitig erteilt er sich selbst und seinem Handeln die Absolution, da die Endzeit ohnehin kommen werde.
Vance steht mit solchen Vorstellungen nicht alleine da. Sein politischer und intellektueller Mentor, der Tech-Milliardär Peter Thiel, beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit apokalyptischen Szenarien. Er erklärte, er sei „besorgt wegen des Antichristen“, den er als „eine spirituelle Bezeichnung für die Mächte des Bösen“ oder als einen bösen König und Tyrannen, der in der Endzeit erscheint, charakterisiert hat.
Vance sorgt sich zugleich um die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz. Im Gespräch fabulierte er von einer „spirituellen dunklen Energie“ und bezeichnete bestimmte Entwicklungen im Umfeld der KI sogar als satanisch. In dem Podcast nahm Vance zugleich Donald Trump in Schutz, der wegen eines KI-generierten Bildes kritisiert worden war, das ihn als Jesus darstellte. Trump hatte zunächst erklärt, er habe geglaubt, das Bild zeige ihn als Arzt, und den Beitrag später gelöscht. Vance versicherte, Trump habe „nicht die Absicht“ gehabt, „Gott zu verspotten oder nachzuahmen“.
Ein Vizepräsident, der erklärt, seine politische Arbeit könne zur Endzeit führen und er sei damit einverstanden, bewegt sich in einem bemerkenswerten Koordinatensystem, das dem Rest der Menschheit durchaus Angst machen kann. But who cares? Hauptsache, es ist Gottes Werk.
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