Gesundheit

Gerichtsgebäude in Eilenburg

Viele offene Fragen beim Prozessauftakt in Eilenburg

Beschneidung als "fahrlässige Körperverletzung"?

Seit Montag steht in Eilenburg (bei Leipzig) ein Chirurg aus Taucha vor Gericht. Die Anklage lautet "fahrlässige Körperverletzung" nach einer aus Gründen der Tradition erfolgten "Beschneidung" eines fünf Wochen alten Babys. Nach zwei Verhandlungstagen und umfangreicher Zeugenbefragung konnte einiges geklärt werden, doch viele Fragen bleiben offen beziehungsweise entstehen erst während der Verhandlung.

Zuckerkügelchen in Kinderhänden

Wie die Homöopathieindustrie Kinder gezielt ködert

Zucker für die Kleinsten

Die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) führt seit langem ein "Homöopathieset für Kinder". Dass es sich dabei um exakt dieselben Zuckerkügelchen handelt wie für Erwachsene – ohne medizinisch relevanten Wirkstoff, ohne jede Evidenz – wird dabei zur Nebensache. Entscheidend ist die Verpackung: bunt, verspielt, kindgerecht. Eine Aufmachung, die ganz bewusst Vertrauen schaffen soll – bei den Kleinsten ebenso wie bei ihren Eltern.

Online-Vortrag im Humanistischen Campus

Jungenbeschneidung – keine medizinische Bagatelle, sondern ein echtes Tabuthema im Kinderschutz

Übermorgen Abend ist der Facharzt Dr. Guido Hegazy live online im "Humanistischen Campus" zu Gast. Hegazy ist Gründer der medizinischen Initiative "ARGUS-Kinderschutz", die sich für einen gleichberechtigten Schutz von Jungen vor Genitalbeschneidung einsetzt. Mit seinem Vortrag bietet Dr. Hegazy eine Gesamtschau über das Thema der Jungenbeschneidung an und deckt dabei sowohl medizinische und gesetzliche als auch kulturell-religiöse Aspekte ab.

Dr. Johann F. Spittler

Revision gescheitert – Freiheitsstrafe für ärztlichen Suizidhelfer rechtskräftig

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Revision des Arztes Johann F. Spittler gegen seine Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis zurückgewiesen. Diese Strafe war vom Landgericht Essen wegen des Todes eines an Schizophrenie leidenden 42-jährigen ausgesprochen worden, zu dem Spittler durch Suizidhilfe beigetragen hatte. Was sind die Begründungen des BGH für seinen 16-seitigen Beschluss, der das Urteil für rechtskräftig erklärt?

Klinikum Lippstadt

Dienstanweisung des Klinikums Lippstadt gegen einen Gynäkologen:

Keine Abtreibung – weil es die "katholischen Partner" so wollen

Eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts ist unter der Ampelkoalition bekanntlich gescheitert. Doch nicht einmal die deshalb weiterhin geltenden strengen Regeln sind manchen in der Praxis strikt genug. Das zeigt ein Fall aus dem nordrhein-westfälischen Lippstadt. Dort fusionierten zwei Krankenhäuser – eine in evangelischer, die andere in katholischere Trägerschaft. Die "katholischen Partner" setzten dabei durch, das die bisher schon nur in seltenen Fällen vorgenommenen Abbrüche weiter reduziert werden. Ein Arzt wehrt sich vor dem Arbeitsgericht gegen eine entsprechende Dienstanweisung des Klinikums.

Viele Aktivitäten zum 13. Jahrestag des “Kölner Urteils” zur Vorhautbeschneidung

Worldwide Day of Genital Autonomy

Am 7. Mai 2025 jährt sich der Tag des "Kölner Urteils", das erstmals die medizinisch nicht indizierte Vorhautamputation an einem Sohn muslimischer Eltern als strafbare Körperverletzung wertete. Der aus diesem Anlass ausgerufene Worldwide Day of Genital Autonomy (WWDOGA) jährt sich zum 13. Mal. Die internationale Bewegung, die mittlerweile aus rund 100 Organisationen besteht, stellt auch in diesem Jahr wieder einiges auf die Beine.

Zum Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Hamm

Kirchenrecht darf ärztliche Berufsfreiheit und Frauengesundheit nicht gefährden

Mit Unverständnis und Empörung bewertet der Verein Pro Choice das Verbot des Christlichen Klinikums Lippstadt gegen seinen Chefarzt, Prof. Dr. med. Joachim Volz, Schwangerschaftsabbrüche im Klinikum sowie auch außerhalb des Klinikums durchzuführen. Dass das Arbeitsgericht Hamm dies bei einem Gütetermin vergangene Woche auch noch bestätigt hat, empfindet der Verein als "sehr befremdend".

Dr. Elke Lemke

Dr. Elke Lemkes Vermächtnis nach 23 Berufsjahren

Gegen psychiatrische Diagnostik zur Verhinderung von Suizidassistenz

Dipl. Psych. Dr. Elke Lemke (1961-2025) war im Berliner Sozialpsychiatrischen Dienst tätig. Die dortige Festlegung auf Suizidprävention – im Sinne von unbedingter Verhinderung von Selbsttötungen – erlebte sie als bedrückende Folge für Betroffene. Zu deren Freiverantwortlichkeit hinterlässt sie eine eindrucksvolle Abhandlung, die ein Jahr vor ihrem Tod veröffentlicht wurde.

Ibn Rushd-Goethe Moschee

In der liberalen Ibn Rushd-Goethe Moschee gelang ein respektvoller Dialog beim Fachtag "'Beschneidung' & Selbstbestimmung"

"Nachdem ich nun Bescheid weiß, würde ich meine eigenen Kinder intakt aufwachsen lassen"

Am Dienstag, 8. April hatte die Imamin Seyran Ateş zu einem Fachtag "'Beschneidung' & Selbstbestimmung" in die Ibn Rushd-Goethe Moschee Berlin geladen. Dem im Untertitel angekündigten Anspruch, einen "Austausch über intime Verletzungen und Geschlechternormen in Religion, Kultur und Medizin" zu ermöglichen, "um den Mythen, Ängsten, Schamgefühlen und Vorurteilen bei diesem Tabuthema mit Wissen und Bewusstsein zu begegnen" wurde die Veranstaltung voll und ganz gerecht.