Kommentar

Katholische Bischöfe: Erst ein Besuch bei Trump, dann der Frust über das Gruppenfoto

Zwölf katholische Bischöfe und Erzbischöfe trafen sich kurz vor den US-Zwischenwahlen mit Donald Trump im Oval Office und beteten für den Präsidenten. Als das Weiße Haus die Bilder verbreitete, war die Empörung groß. Haben die Kirchenfürsten wirklich nicht geahnt, wofür sie sich einspannen ließen?

Bischöfe bei Trump
US-Bischöfe im Oval Office segnen Trump

Die Instinktlosigkeit, mit der ein Dutzend amerikanischer Bischöfe sich im Weißen Haus um Donald Trump versammelte, um für sein Seelenheil zu beten, ist nicht nur verstörend, sie macht geradezu fassungslos. Man erinnere sich: Erst wenige Wochen zuvor hatte der amerikanische Präsident, der sich selbst als nicht-konfessioneller Christ bezeichnet, Papst Leo XIV. beleidigt und sich mit Hilfe von KI mit einem Heiligenschein als Jesus inszeniert.

Trumps Wahlkampfteam postete umgehend Bilder und Videoaufnahmen von dem Treffen in den sozialen Medien. Sie zeigen die Bischöfe in vollem Ornat hinter dem am Schreibtisch sitzenden Präsidenten. Erzbischof James R. Golka aus Denver sprach das Gebet.

Statt Trump für seine Abschiebungspolitik und den Umgang seiner Regierung mit Migranten öffentlich zu kritisieren, lieferten die Bischöfe Bilder, die dem amerikanischen Präsidenten eine moralische Legitimität verleihen, die er nicht verdient. Das ist besonders bitter, weil die katholische Soziallehre die Würde jedes Menschen betont, die Trump täglich mit Füßen tritt.

Ein Gebet, das angeblich niemand politisch nutzen wollte

Nachdem die Bilder veröffentlicht worden waren und ein wahrer Shitstorm über die Bischöfe hereingebrochen war, beklagte der Erzbischof von Milwaukee, Jeffrey Grob, ernsthaft eine politische Vereinnahmung und sprach von einer tiefen Traurigkeit, die er empfinde, weil „das Gebet zu unserem himmlischen Vater – auf diese Weise manipuliert wurde“, obwohl es ihm und „einer Gruppe religiöser Führer so heilig ist“. Und auch der Erzbischof von Denver zeigte sich bestürzt. Es breche ihm geradezu das Herz, so James R. Golka, „dass es Menschen gebe, die diesen Moment bewusst nutzen, um Zwietracht zu säen“.

Wie naiv und weltfremd kann man sein? Was hatten die Bischöfe erwartet? Ein Treffen mit einem Präsidenten, der politische Kommunikation nur zur Selbstinszenierung betreibt, zwölf Tage vor einer Wahl – und dann die Überraschung, dass Bilder davon veröffentlicht werden? Ein Gebet für einen Machthaber mit Hang zur Despotie kann niemals eine neutrale Handlung sein. Immerhin bekundete William Joensen, ein Bischof aus Des Moines in Iowa, später, er hätte „klüger und weniger einfältig“ sein sollen.

Wie so oft in der Geschichte warfen sich Kirchenfürsten wie Hofschranzen vor der weltlichen Macht in den Staub, um ihren Einfluss und ihre Pfründe zu sichern. Das Muster ist vertraut, der Erfolg bleibt überschaubar. Wer sich in die Nähe eines machthungrigen Populisten begibt, kann selten bestimmen, wofür die Bilder anschließend stehen. Ob in Washington oder Moskau: Mächtige Politiker wissen, dass ihnen der Segen der Kirche nützt. Nur manche Bischöfe in Amerika scheinen nicht zu begreifen, wofür sie sich missbrauchen lassen.

Quelle des verwendeten Screenshots: Facebook.

Kommentare (7)

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Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mi. 4 Nov 2026 - 13:02

Was ist irritierend an diesem Bild? Ist es nicht seit jeher Usus, dass die Mächten und die religiösen Institution miteinander paktieren?

Wie Reinhard Mey sang:
"Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, — ich halt’ sie arm!"

Nur dass Trump nicht flüstert, sondern poltert und die Keule schwingt. Und dementsprechend dieses Bild postet, weil er seinen despotischen Charakter längst öffentlich gemacht hat. Was hat er noch zu verlieren? Er sieht sich selbst als selbstverliebten Politclown - und dass soll jeder wissen.

Dass er so seiner Partei schadet, juckt ihn nicht. Soll sie untergehen. Nach Trump mag die ganze Welt gerne untergehen. Aber bis dahin sollen sie alle vor ihm kuschen und ihn anbeten. Er sieht sich als Heiland, zu dessen Kreuz die ganze Welt kriechen soll.

Seit heute weiß er, dass die meisten Amerikaner diesen Gang nicht mehr mitmachen. Diese "Widerporste, chleudert diese Purchen auf den Poden...", mag er rufen...

Klaus Bernd (nicht überprüft)

Mi. 4 Nov 2026 - 13:56

Die Formulierungen sprechen eher nicht für Naivität und Weltfremdheit sondern für populistische, berechnende Schnulze. Die Herren inszenieren sich gerne als gefühlvolle Frömmler.
"TIEFE 😢 Traurigkeit" , "der Himmlische Vater" (die armen Buben), "Zwietracht (!) säen" , "Führern" wie Trump Heiligkeit bescheinigen, "gebrochene Herzen💔"
Das ist nicht naiv und weltfremd sondern populistisch gefühlig und berechnend unterwürfig.

G.B. (nicht überprüft)

Mi. 4 Nov 2026 - 14:25

Einfach nur widerlich wie sich diese Bischöfe an den Pseudo Diktator Tramp anbiedern
und wie sich Tramp darin sonnt und in seiner Demut versinkt, das ist Schmierenkomödie
ersten Ranges, aber das Volk in den USA hat die Komödie durchschaut und reagiert,
hoffentlich bleiben bei den nächsten Wahlen die Wähler standhaft, es währe an der Zeit einer Präsidentin in den USA die Führung zu übergeben.
2 Scheinheilige Verbindungen sieht man auf den Bild, eine verlogene Klerikale und einen verlogenen Präsidenten.

Sebastian (nicht überprüft)

Mi. 4 Nov 2026 - 14:41

Wer glaubt die seien wirklich so dumm macht sich doch nur was vor. Das die sich jetzt "erbost" geben ist doch nur das sprichwörtliche Feigenblatt. Dass viele amerikanische Bischöfe mehr auf einer Linie mit MAGA als PAPA sind ist ja kein Geheimnis und grade Kirchenfürsten und auch grade Amerikaner sind im Umgang mit Medien und Inszenierung und Politik gewiefter als man annehmen sollte. Die konnten das Blitzlichtgewitter nicht übersehen.

Bernd Kockrick (nicht überprüft)

Mi. 4 Nov 2026 - 19:05

Frage: Was bewirkt wohl das Gebet eines Einzelnen, wenn nicht einmal zwölf höchste Berufschristen Trump zum Sieg verhelfen konnten? Anscheinend kümmert sich "Gott" einen Dreck um das Elend der Armen auf der Erde und segnet nur die Reichen.

Petra Pausch (nicht überprüft)

Mi. 4 Nov 2026 - 20:48

Bemerkt denn niemand, wie verlogen die US-Bischöfe sind? Das Titelfoto ist ein Screenshot von der Facebook-Seite des Erzbischofs James R. Golka. Sich dann hinzustellen und die Trump-Regierung anzugreifen ist irgendwie lächerlich. Sie selbst haben das Video hochgeladen.

Ralf Nestmeyer

Der Autor ist Historiker und Schriftsteller (zu seiner Website geht es hier). Er hat zahlreiche Reiseführer, Sachbücher und Krimis geschrieben und gehört zu den Gründungsmitgliedern von PEN Berlin.

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