Streit um „Skeptics in the Pub“

Judäische Volksfront oder Volksfront von Judäa?

Der Konflikt innerhalb der Skeptikerbewegung ist zurück. Nachdem sich die Auseinandersetzungen zuletzt beruhigt hatten, entzündete sich der nächste Konflikt an der Marke „Skeptics in the Pub“. Dahinter steht der mutmaßliche Versuch, Deutungshoheit über eine seit Jahrzehnten bestehende Graswurzelbewegung zu gewinnen.

Skeptics in the Pub
Das internationale „Skeptics in the Pub“-Logo

Nachdem es um die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und ihren Konkurrenzverein Skeptix zuletzt ruhig geworden war, wo 2023/24 noch die Gemüter hochgekocht waren, geht der Streit nun in eine neue Runde. Stein des Anstoßes diesmal: die „Skeptics in the Pub“-Reihe.

Skeptics in the Pub“ ist ursprünglich ein britisches Edutainment Format, das 1999 in London erdacht wurde. In lockerer Atmosphäre werden Vorträge gehalten, um niederschwellig ein Publikum zu erreichen, das Interesse an Aufklärung und Wissenschaft hat, aber vielleicht über klassische Vortragsformate weniger zu erreichen ist. Im deutschsprachigen Raum gründeten sich Gruppen, die aus GWUP-Regionalgruppen hervorgingen, Mitte der 2010er Jahre in Wien, Köln und Hamburg. Von diesen Formaten bestehen bis heute die Vortragsreihen in Wien und Köln, die Hamburger Reihe lief irgendwann gegen Ende der 2010er Jahre wieder aus.

Nach dem Streit in der Skeptikerbewegung 2023 − die Vorgänge wurden von Kritikern als „Putsch” bezeichnet − kam es zu einer verstärkten Aktivität der Skeptikerbewegung auch im Offline-Bereich und es gründeten sich neben dem Verein Skeptix selbst zahlreiche neue „Skeptics in the Pub“-Gruppen. Unter anderem in Hamburg, München, Berlin und Hannover, die teils mit der GWUP, Teils mit den Skeptix verbunden oder auch unabhängig sind. Konkurrenz belebt bekanntermaßen das Geschäft. Von den zwei langjährig bestehenden Gruppen blieb eine der GWUP verbunden (die Wiener), während die andere Gruppe sich distanzierte und heute den Skeptix nahesteht (die Kölner). So weit, so gut sollte man meinen. Viele Formate bedeuten viele Vorträge, die Aufklärung zu wissenschaftlich-skeptischen Themen in die Bevölkerung tragen und so an vielen verschiedenen Standorten zur Bereicherung der Skeptikerbewegung beitragen.

Leider blieb es nicht so einvernehmlich und die „Putschisten” von damals gründeten Skeptics in the Pub − Verein für Wissenschaftskommunikation mit einer zugehörigen Website, die den Anschein erweckt, für alle „Skeptics in the Pub“ im deutschsprachigen Raum oder zumindest in Deutschland zu sprechen. Kritisch lässt sich dies als Versuch interpretieren, einen größeren organisatorischen Einfluss auf die „Skeptics in the Pub“-Landschaft zu gewinnen. Dort werden jedoch nur mit den Skeptix assoziierte Gruppen aufgelistet, wobei die Kachel für Hamburg auf eine zukünftige Gruppe hinweist und noch nicht einmal ein bestehendes Angebot bewerben kann. Dabei hat sich das formal unabhängige und von GWUP-Mitgliedern organisierte „Skeptics in the Pub Hamburg“ seit 2025 bewährt und bereits einige erfolgreiche Veranstaltungen durchgeführt (der hpd berichtete). Für Hannover wird auf der Website des Vereins bislang nur eine mit Skeptix verbundene Gruppe aufgeführt. Diese bezeichnete eine ihrer Veranstaltungen als das „erste Skeptics in the Pub in Hannover“. Eine bereits seit 2025 bestehende, mit der GWUP-Regionalgruppe verbundene Veranstaltungsreihe wird dort hingegen nicht erwähnt.

Für diesen Artikel um eine Stellungnahme angefragt, bestätigt der Verein Skeptics in the Pub − Verein für Wissenschaftskommunikation, dass man auf seiner Webseite und in öffentlicher Kommunikation nur die eigenen Regionalgruppen aufführt. Einzige Ausnahme bilden die britischen „Skeptics in the Pub Online“. Einen Repräsentationsanspruch unabhängiger Initiativen in der Darstellung durch den Verein sieht man nicht. Ob ein exklusiver Anspruch auf das Label „Skeptics in the Pub”, „Skeptics in the Pub Deutschland” oder für die jeweiligen Orte erhoben wird, bleibt jedoch unklar. Interessant an den Antworten in der Stellungnahme ist, dass es so wirkt, als wolle man eben gerade nicht bestätigen, dass auch andere Gruppen den Begriff „Skeptics in the Pub” oder die markanten schwarz-gelben Logos, bestehend aus dem Schriftzug des Namens der Veranstaltungsreihe mit zugehörigem Gruppennamen, verwenden dürfen.

Nun ist Hamburg groß und kann sicherlich zwei, drei oder vier verschiedene Formate zur Wissenschaftskommunikation verkraften, denn es gibt ja auch noch das jährlich vom DESY organisierte Wissen vom Fass, das einen ähnlichen Ansatz verfolgt. Ob es aber wirklich primär um Wissenschaftskommunikation geht, wenn man einen Verein gründet, bestehende Formate gleichen Namens ignoriert und stattdessen nicht existente Veranstaltungen bewirbt, darf bezweifelt werden. Eher liegt nahe, dass es hier um den Versuch einer Aneignung von Deutungshoheit geht. Dabei behaupten die Verantwortlichen auf ihrer Webseite, dass „Skeptics in the Pub“ in Deutschland von jedem Verein für Wissenschaftskommunikation „getragen” werde, obwohl es eine gleich große Zahl erfolgreicher „Skeptics in the Pub“-Veranstaltungen gibt, die über die letzten beiden Jahre eine beträchtliche Zahl von Vorträgen auf die Beine gestellt haben, die mit dem Verein nichts zu tun haben. Wenn überhaupt, werden „Skeptics in the Pub“ in Deutschland (genauso wie weltweit) von vielen unabhängigen Ehrenämtlern getragen. Dieser Versuch, den guten Namen einer seit 1999 bestehenden Bewegung für sich und die eigenen Spendeneinnahmen zu monopolisieren, wird diese auch nicht davon abhalten, weiterhin Wissenskommunikation bei einem kühlen Getränk zu organisieren.

Aktuell entsteht ein neues Verzeichnis, „Skeptics in the Pub Deutschland“, das auf seiner Website den Hinweis trägt: „Wir wehren uns gegen die Vereinnahmung durch einen Verein, der Vereine kontrolliert, um die Marke ,Skeptics in the Pub’ zu kontrollieren und andere Gruppen zu verdrängen. Daher dieses freie Verzeichnis mit allen Gruppen […] ohne moralisierende Vereinsmeinung, ohne Einschrenkung [sic!] von Meinungsfreiheit und Wissenschaftskommunikation.“


Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitorganisator der „Skeptics in the Pub“ Hamburg.

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Sebastian Schnelle

Der Autor ist promovierter Philosoph und betreibt den Podcast "vorpolitisch", in dem er sich mit gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart beschäftigt und mit Gästen v.a. aus Wissenschaft und Forschung spricht. Er hat zum Islamismus geforscht und publiziert und arbeitet aktuell an einem Buch über die Neue Rechte in Deutschland und ihre Ideengeschichte.

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