Religionsausübung nur noch in Landessprache

Dänemark diskutiert Zwang zu Predigtübersetzungen

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Muss in dänischen Gotteshäusern demnächst zwingend auf Dänisch gepredigt werden?

Gottesdienste soll es nur noch in Landessprache geben. Das fordert die dänische Regierung. Die Gesetzesinitiative ist als Mittel gegen den radikalen Islam gedacht. Dagegen regt sich Widerstand – unter anderem bei Matthias Alpen, evangelischer Pastor der deutschen Minderheit, aber auch bei Lone Ree Milkær, Vorsitzende des dänischen Humanistischen Verbands.

Matthias Alpen ist Pastor bei der deutschen Minderheit im süddänischen Ort Lügumkloster. "Als der Gesetzesvorschlag aufkam, habe ich das zunächst nicht ernst nehmen wollen", sagt er gegenüber dem hpd. Derart absurd erschien ihm das Vorhaben.

Für 2021 hat sich die sozialdemokratische Regierung Dänemarks vorgenommen, Glaubensgemeinschaften zum Predigen auf Dänisch zu verpflichten. Wo das nicht möglich sei, sollen die Gemeinden eine Übersetzung ihrer Predigten anfertigen, um sie den Behörden vorzulegen.

Alpen bezweifelt, dass das Gesetz der Sache dienlich ist. "Jemand, der tatsächlich in einer Minderheitensprache zu Hass und Gewalt aufruft, würde dies wohl kaum in seine eigene Übersetzung schreiben, damit ihn der Staat dann belangen könne", erklärt der Pastor. Darüber hinaus sieht er die Zusammenarbeit der Kirchen im deutsch-dänischen Grenzland sowie den religiösen Frieden gestört: "Es macht etwas mit einem, wenn man gezwungen wird, seine Predigten zu übersetzen."

Dabei verweist Alpen auf einen Staat, der Religionsgemeinschaften unter Generalverdacht stellt, weil sie in Minderheitensprachen ihre Feste feiern. "Es ist die Sprache selbst, die hier angegriffen wird", so Alpen; er schließt sich damit einer Position des Kopenhagener Bischofs Peter Skov-Jakobsen an, der im Mai in einem Zeitungskommentar gefordert hatte, die Gesetzesinitiative aufzugeben.

Ähnlich sieht es Lone Ree Milkær vom Humanistischen Verband Dänemarks. Der Humanistisk Samfund habe zwar keine offizielle Position zu der Frage, aber das Thema sehr wohl debattiert. Milkær vergleicht das Gesetzesvorhaben in seiner Qualität mit den Blasphemiegesetzen anderer Länder, die ebenfalls eine Diskriminierung darstellten und zur Selbstzensur führten. "Die Religionen sollten, was Hassreden anbelangt, genauso behandelt werden wie jede andere Gruppe, in der jemand zur Gewalt aufruft", erklärt Milkær weiter. Bezogen auf den radikalen Islam spricht sie sich dafür aus, die Einreise islamistischer Prediger bereits bei der Visa-Vergabe zu erschweren. Auf Nachfrage, was man denn radikalen Predigern entgegensetzen könne, die bereits in Dänemark leben, meint Milkær: "Wir müssen mehr für die Menschen tun, die im Einflussbereich problematischer Moscheegemeinden leben." Sie spricht sich dafür aus, bessere Integrationsangebote zu schaffen.

Derzeit werden Muslimas und Muslime jedoch immer stärker von der dänischen Regierung ausgegrenzt. Dazu trägt auch bei, dass die christliche deutsche Minderheit von dem Predigtübersetzungsgesetz wohl ausgenommen werden wird. Das hat Ende Juni die dänische Kultur- und Kirchenministerin Joy Mogensen von den Sozialdemokraten versprochen, die dann Mitte August aus privaten Gründen, aber auch wegen Überforderung im Umgang mit der Coronakrise, zurückgetreten war.

Seit Oktober 2020 wird die Debatte um das Predigtübersetzungsgesetz in Dänemark geführt. Die Pläne entstammen dem Wahlkampf 2019, in dem sich die Parteien mit Vorschlägen zu einer restriktiven Migrations- und Integrationspolitik zu überbieten suchten. Diese harte Haltung ist Konsens bei linken wie rechten dänischen Parteien und wird auch von den regierenden Sozialdemokraten vertreten. Viele Muslimas und Muslime, die teilweise seit Jahrzehnten in Dänemark gut integriert sind, fühlen sich diskriminiert.

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