Papst Franziskus will mit der Weltsynode die Kirche reformieren. Er will die Gläubigen befragen und ihre Anregungen und Ideen umsetzen. Doch mehr als kleine Retuschen kann man wohl kaum erwarten.
Viele Menschen katholischen Glaubens hoffen, dass die Reformen innerhalb ihrer Kirche ausreichen, um mit dem Wandel der Gesellschaft schrittzuhalten. Doch ein genauerer Blick auf die tatsächlich stattgefundenen Veränderungen ist sehr ernüchternd: Keine der fragwürdigen Strukturen wurden abgeschafft oder zumindest dahingehend angepasst, dass diese keinen Schaden mehr anrichten können. Auch die erste Frau mit Stimmrecht in der Bischofssynode kann darüber nicht hinwegtäuschen.
Die deutsche Bundesregierung hat letzte Woche den Entwurf der seit Jahren heiß umstrittenen Urheberrechtsreform ins Parlament eingebracht. Die europarechtliche Frist zur Umsetzung endet bereits im Juni. Von den vollmundigen Versprechungen der Union, Uploadfilter zu verhindern, ist nichts geblieben.
Nach über 30 Jahren, in denen im Sudan unter anderem nach islamischem Gesetz geurteilt wurde, verabschiedete die Übergangsregierung nun die Trennung von Staat und Religion. Auslöser dafür war ein Friedensvertrag mit Rebellengruppen, welche ein säkulares System gefordert hatten.
Neun Katholiken haben einen offenen Brief an den Münchner Kardinal verfasst, in dem sie "mutige Reformen" fordern. Das Schreiben findet Unterstützung bei katholischen Politikern und Laien. Ende Februar hat der Vatikan ein Krisentreffen zum Missbrauchsskandal anberaumt.
Eine weitere kleine Reform im wahhabitischen Gottesstaat: Bisher wurden seine Bewohnerinnen nicht zwangsläufig davon in Kenntnis gesetzt, sollten ihre Männer die Ehe beenden. Jetzt soll es keine heimlichen Scheidungen mehr geben, um den Frauen Unterhaltsforderungen zu ermöglichen und den Missbrauch von Vollmachten zu verhindern.
Am Freitag eröffnete Seyran Ateş, Mitglied im Kuratorium des HVD, gemeinsam mit anderen liberalen MuslimInnen in Berlin die Ibn Rushd-Goethe-Moschee. Ein Ort für alle, die einen modernen, friedlichen und toleranten islamischen Glauben leben wollen.
Am vergangenen Freitag haben Reformmuslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine "Freiburger Deklaration" veröffentlicht: Sie werben damit für eine tiefgreifende Reform im Islam, für einen menschenrechtlich orientierten humanistischen Islam. Die Reformmuslime möchten "Menschen erreichen, die einen zeitgemäßen am Humanismus orientierten Glauben leben möchten."
BERLIN. (hpd) Ahmad Mansour, der Mann aus einem arabischen Dorf bei Tel Aviv, ist gläubiger Muslim, der gegen Islamismus, gegen Radikalisierung von Jugendlichen, gegen religiösen Fundamentalismus kämpft. Selbst zeitweilig Islamist, weiß er aus eigener Anschauung, worum es dabei geht und warum Jugendliche von salafistischen und anderen islamistischen Rattenfängern eingesammelt werden können.
BONN. (hpd) Soll man den Islam ablehnen oder reformieren? Über diese Frage führten der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad und der Theologe Mouhanad Khorchide ein Streitgespräch mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Dieses macht die Differenzen deutlich und fordert zur Selbstpositionierung auf. Dabei kann man aber eine inhaltliche und eine strategische Ebene unterscheiden.