Rezensionen

Wissenschaft kann moralische Fragen beantworten

(hpd) In seiner Rede im Bundestag hat Papst Benedikt XVI. darauf abgehoben, dass die Naturwissenschaft nur das Sein ergründen kann, aber nicht das Sollen. „Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen.... Zwischen dem Sein und dem Sollen besteht ein unüberbrückbarer Graben“. Sam Harris zeigt in The Moral Landscape, dass genau das Gegenteil richtig ist.

Verständnis von Gerechtigkeit

(hpd) Der Berliner Politikwissenschaftler Bernd Ladwig legt mit „Gerechtigkeitstheorien“ einen Einführungsband vor, welcher sowohl über Grundlagen des Gerechtigkeitsverständnisses wie über die neueren Kontroversen im Anschluss an John Rawls informiert.

Blumig: Lob der Untreue. Eine Unverschämtheit.

(hpd) Nun, verschämt ist das Lob der Untreue wirklich nicht. Es geht um sexuelle Enge und Befreiung, um die Notwendigkeit der Lüge, ohne dabei die Lüge erlauben zu können, es geht um Liebe, Beziehungen und Unmöglichkeiten, es geht um Ekstase, Aggressionen und zwangsläufige Ambivalenz. Es geht, kurz, um eine neue Sexualkultur. Ein poetisches Sachbuch des Philosophen Franz Josef Wetz.

Widerstandsgruppe „Frit Danmark“

(hpd) Jørgen Kieler berichtet im Sinne einer Autobiographie und eines Zeitzeugenberichtes über den Kampf gegen die Besatzungspolitik in Dänemark während des Zweiten Weltkriegs. Das Buch beeindruckt durch eine nüchterne Darstellung ohne emotionale Heroisierung und liefert so eine authentische Quelle über bislang im deutschsprachigen Raum noch nicht genügend zur Kenntnis genommene historische Ereignisse.

„Anleitung zum Seligsein“

(hpd) Michael Schmidt-Salomon, nach eigenem Bekunden „Atheist unter agnostischem Vorbehalt“, beleuchtet – nach einem interessanten persönlichen Rückblick über zwei Jahrzehnte Religionskritik – das Thema Religion und Aufklärung in vielen Facetten. Religionskritische Texte in gebündelter, amüsanter Form; klar in den Aussagen, stringent in den Argumentationen, tiefgründig ohne großen philosophisch–theoretischen Ballast.

Martin Luther King: Geehrt und…?

(hpd) Der Historiker und Politikwissenschaftler Albert Scharenberg legt eine Lebensbeschreibung des Bürgerrechtlers Martin Luther King vor. Dabei wird die Aktualität von dessen Ideen deutlich, ging es ihm doch nicht nur um die rechtliche Gleichstellung der Schwarzen, sondern auch um den politischen Kampf gegen die Armut.

Keine Projektierungen, nur Wunschdenken

(hpd) Ehemalige Bundesgesundheits- und Umweltminister waren es ebenso wie gegenwärtige „Handelsblatt“- und „Wirtschaftswoche“-Redakteure: Mitglieder in den „K-Gruppen“ der 1970er Jahre. Diese „Kommunistischen Gruppen“ orientierten sich nicht an der DDR oder der Sowjetunion, sondern eher an Albanien und China. Eine neue Darstellung dazu ist leider etwas unstrukturiert und unsystematisch.

Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus

(hpd) Der Sozialwissenschaftler Colin Crouch, der durch seine Analysen zur „Postdemokratie“ bekannt geworden ist, untersucht in seinem neuen Buch die Gründe für die fortwährende Macht einschlägiger ökonomischer Auffassungen. Der Autor vermeidet dabei ein plattes „Neoliberalismus“-Bashing und verweist demgegenüber auf den in der Kooperation von Großunternehmen und Staat zum Ausdruck kommenden Verstoß gegen die eigentlichen Prinzipien der Marktwirtschaft.

Linksextreme – unterschätzte Gefahr?

(hpd) Die beiden Politikwissenschaftler Harald Bergsdorf und Rudolf van Hüllen liefern in ihrem Buch eine Gesamtdarstellung zu diesem politischen Lager, wobei sie sich ausführlich mit den dort präsenten Befindlichkeiten und Denkstrukturen beschäftigen. Es handelt sich um ein anregendes, informatives und wichtiges Buch mit reflexionswürdigen Ausführungen zu Befindlichkeiten und Motiven für das Engagement im Linksextremismus.

Das Scheißleben meines Vaters, das …

(hpd) So knallig und eindeutig der Titel, so knallig und eindeutig und doch mit Verstand beschreibt Andreas Altmann seine Kindheit und Jugend in Altötting. Dem Wallfahrtsort. Mit seinem Vater, dem “Rosenkranz-König Nummer drei”. Ein ehrenwerter Soziopath, tätig im „Altweiber Voodoo-Business“. Schule, Religion, Kirche, Bigotterie, Mutter, Geschwister: alles vorhanden.