Rezensionen

Der gute Wilde aus der Steinzeit

BERLIN. (hpd) Was geschähe, wenn ein Neanderthaler unter uns lebte? Wie würden wir ihn aufnehmen? Wie würde er sich fühlen? Sibylle Knauss hat mit diesen Fragen im Hintergrund den Plot für einen Roman entwickelt. „Fremdling“ ist eine literarische Versuchsanordnung und die Geschichte einer mittlerweile - fast - möglichen Grenzüberschreitung.

Die Rettungsaktion „Weiße Busse“

(hpd) Der von Oliver von Wrochem herausgegebene Sammelband enthält Aufsätze und Zeitzeugenberichte über das Schicksal der skandinavischen Konzentrationslagerhäftlinge in NS-Deutschland. Es handelt sich um beachtenswerte Fallstudien, die allerdings nur Fragmente zu einer noch zu schreibenden größeren Darstellung zum Thema liefern.

Elend der Kritik am (Neo-)Faschismus?

(hpd) Der frühere Bremer Professor Freerk Huisken behauptet, dass Rassismus und Rechtsextremismus letztendlich die Konsequenz aus bürgerlichen Demokratievorstellungen seien. Das Buch steht in der Tradition des Dogmatismus der „Marxistischen Gruppe“ und setzt demokratische und extremistische Positionen bei Ignoranz von deren unterschiedlichen normativen Grundlagen miteinander gleich.

Zur Kapitalismuskritik der NSDAP

(hpd) Manfred Weißbecker legt eine Sammlung von historischen Betrachtungen zur Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1920 und 1945 vor. Leider zeigt er sich über weite Strecken immer noch der marxistisch-leninistischen Deutung des Faschismus verbunden, was auch einige analytisch interessante Interpretationen letztendlich entwertet.

Nazi-Terror: Made in Thüringen?

(hpd) Der Sammelband enthält 25 Texte mit unterschiedlichen Inhalten zum Thema. Einerseits verdienen die meist gut recherchierten Beiträge zur Entwicklung der ostdeutschen Neonazi-Szene Interesse, während die Betrachtungen zur Arbeit der Sicherheitsbehörden nicht genug zwischen angeblichen und tatsächlichen Fehlern unterschieden.

Wahlerfolge und Misserfolge der Linksextremen

(hpd) Der Politikwissenschaftler Tom Mannewitz legt eine umfangreiche Untersuchung zu den Bedingungsfaktoren für das Abschneiden bei Wahlen von kommunistischen und postkommunistischen Parteien vor. Es handelt sich um eine methodisch differenziert vorgehende Analyse, die nach den hinreichenden und notwendigen Bedingungsfaktoren für die Entwicklung in Ost- und Westeuropa fragt.

Freiheit als Privileg

(hpd) Der italienische Philosoph Domenico Losurdo präsentiert eine kritische Sicht auf die historische Entwicklung des Liberalismus in der gesellschaftlichen Praxis. Er macht hier trotz aller bewussten Einseitigkeit gut belegt die historische Dominanz eines Freiheitsverständnisses aus, welches allzu lange nur auf die gesellschaftliche Elite bezogen war und die Unterprivilegierten von den damit verbunden Grundrechten ausschloss.

Direkte Demokratie und Bonapartismus?

(hpd) Der Soziologe Thomas Wagner problematisiert in seinem Buch „Demokratie als Mogelpackung. Oder: Deutschlands sanfter Weg in den Bonapartismus“ die Möglichkeiten zur Legitimation autoritärer Staatsauffassungen durch scheinbare Formen „direkter Demokratie“. Einerseits zeigt der Autor dadurch bestehende Gefahren auf, andererseits neigt er hierbei zu einer vulgärmarxistischen Gesellschaftsanalyse.

Gibt es eine lutherische Ethik?

(hpd) Hubertus Mynarek zeigt in „Luther ohne Mythos“ eindrucksvoll und sachkundig, dass die feste Burg, die Luthers Gott ist, hauptsächlich auf den Säulen schlechten Gewissens und Unterwerfungsbereitschaft steht. Dazu kommen Irrationalismus, Masochismus, Misogynie und Antisemitismus.

Zur Strategie von Protestbewegungen

(hpd) David Graeber, der als Kopf der kapitalismuskritischen „Occupy“-Bewegung gilt, legt eine Sammlung von Essays vor. Entgegen des Titels findet man darin keine Kritik des Neoliberalismus und keine Präsentation von Alternativen, sondern eher diffus gehaltene Betrachtungen zu Selbstverständnis und Strategie der Protestbewegungen.