Österreich

Denkmal zum Mahnmal umfunktioniert

An der Kirche in der oberösterreichischen Gemeinde Hohenzell bei Ried i. Innkreis wurde einem Denkmal zu Ehren des verstorbenen Kardinals Hans Hermann Groer neuer Sinn verliehen. Dort wurde ein künstlerisch gestaltetes Relief montiert. Es soll daran erinnern, dass der Kirchenfürst dort im Jahre 1989 für Ungeborene gebetet hat. Darunter prangt das Bibelzitat: "Wer aber eines von diesen Kleinen", aus dem Matthäus-Evagelium 18:6-16. Die zweite Hälfte des Bibelzitates fehlt aber vorsorglich. Dort heißt es: "Wer aber irgend eines dieser Kleinen, die an mich glauben, ärgern (Anm: gemeint ist missbrauchen) wird, dem wäre nütze, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde."

Sepp Rothwangl am Groer Mahnmal
Sepp Rothwangl am Groer Mahnmal 

Der Dorfpfarrer von Hohenzell weigerte sich auf Anfrage eines empörten Betroffenen, diese scheinheilige Tafel, die Groers sexuelle Missbrauchsverbrechen leugnet, abzumontieren. Daher hat die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt dieses Mahnmal nun entsprechend dem eingemeißelten Bibelzitat erweitert und einen Mühlstein angebracht, aus dessen Mitte der Hals und das Antlitz Kardinals Groers ragen. Es soll an die Verbrechen Groers erinnern, die weiterhin von seinen Anhängern verleugnet werden.

Der Mühlstein gebührt lt. Sepp Rothwangl, Obmann der Plattform auch jenen, die durch ihre menschenverachtende Haltung tausende Betroffene in den Ablauf der Verjährungsfrist trieben. Dass sich seit Groer an der kirchlichen Verantwortungslosigkeit nichts gebessert hat, zeigen auch jüngste Fälle wie jener des Göttweiger Pfarrers, der auf Twitter Burschen zur Prostitution verleiten wollte und der seine Priesterweihe von Bischof Küng selbst erhielt. Erst als die Fälle medienbekannt worden sind, wurde der Pfarrer abgezogen. Küng ist Vorsitzender der Stiftung Opferschutz und verwaltet -auftraggeberseitig -auch die Gelder der Klasnic-Kommission. Ebenso unterstreicht das umfunktionierte Mahnmal die Forderungen der Plattform: Aufhebung der Verjährungsfrist nach sexueller Misshandlung, unabhängige Aufarbeitung der Verbrechen und angemessene Entschädigung durch ein Schiedsgericht.

Quelle

Kommentare (2)

Bernd Kammermeier (nicht überprüft)

Mo. 24 Nov 2014 - 13:56

Ein wirklich gelungene, wahre und wichtige Aktion von Betroffen.at. Sollte man daraus nicht eine länderübergreifende Aktion machen? Überall, wo Pfarrer oder Priester einen Mühlstein "verdient" haben, denen dieser "nützlich" wäre, wird ein möglichst tonnenschwerer Mühlstein vor die Kirche gestellt - mit Gravur des vollständigen Bibelzitats. Und mit Presserummel und Tiefladern! Es steht ja schließlich so in der Bibel. Da können wir doch nix dafür...

Sven Schultze (nicht überprüft)

Mo. 24 Nov 2014 - 18:37

Gut gemacht! Da werden wohl noch viele Mühlsteine den "Weinberg des Herrn" in Zukunft verzieren...))

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