Wissenschaftlicher Skeptizismus und Naturalismus
Wissenschaft und rationales, kritisches Denken sind die einzigen verlässlichen Methoden, mit denen wir unsere Welt objektiv und nachprüfbar erforschen und verständlich erklären können. Dennoch glauben viele Menschen an Behauptungen, die einer wissenschaftlichen Prüfung nicht standhalten. Beispiele sind Astrologie, also der Glaube, dass man aus der Bahn der Himmelskörper die Zukunft vorhersagen oder persönliche Eigenschaften ableiten könne, sowie Homöopathie und andere therapeutische Methoden, die unplausibel sind und sich zudem in Studien als wirkungslos erwiesen haben.
Solche Behauptungen, die mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit auftreten, ohne ihn jedoch einzulösen, nennt man Parawissenschaften. Der wissenschaftliche Skeptizismus hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch Prüfung wissenschaftliche von parawissenschaftlichen Behauptungen zu unterscheiden.
Das unterscheidet den wissenschaftlichen Skeptizismus grundlegend von anderen skeptischen Strömungen. Einige von ihnen verneinen die Existenz von Erkenntnis und Wahrheit grundsätzlich (manche Sophisten der griechischen Antike und verschiedene postmoderne erkenntnistheoretische Relativisten und Konstruktivisten). Andere gehen davon aus, dass bestimmte Bereiche der Welt unserer Erkenntnis grundsätzlich verschlossen seien. Zudem gibt es Denkschulen, nach denen man nicht wisse, ob Erkenntnis überhaupt möglich ist.
Der wissenschaftliche Skeptizismus wird von der internationalen Skeptikerbewegung vertreten, in den deutschsprachigen Ländern von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Grenze zwischen Wissenschaft und Parawissenschaft aufzuzeigen. Dazu werden allgemein anerkannte wissenschaftliche Methoden auf Grundlage des aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes angewandt. Solche sachlichen und verlässlichen Informationen sind unabdingbar für eine offene und demokratische Gesellschaft. Wenn Menschen auf Grundlage fragwürdiger Behauptungen folgenreiche Entscheidungen treffen, riskieren sie oft Vermögen, Karriere oder Gesundheit.
Eng verbunden mit dem wissenschaftlichen Skeptizismus ist der philosophische Naturalismus. Dieser geht davon aus, dass alle Vorgänge auf der Welt allein durch Naturgesetze erklärt werden können. Die Welt funktioniert demnach also ohne göttliche, dämonische oder sonstige paranormalen Kräfte als Lückenbüßer. Damit bildet der Naturalismus die theoretische Basis für eine wissenschaftlich fundierte und säkulare Lebensauffassung. Er spiegelt sich wider in der evolutionären Erkenntnistheorie, wie sie von Gerhard Vollmer und Hans Albert mitbegründet und von der Giordano-Bruno-Stiftung vertreten wird. Demnach ist der Mensch eingebettet die Naturgesetze und in evolutionäre Vorgänge. Diese Erkenntnis markiert die Überwindung des religiösen Dogmas vom Menschen als der "Krone der Schöpfung".
Damit treten Naturalismus und wissenschaftlicher Skeptizismus dem Geltungsanspruch von Religionen und Ideologien entgegen, die sich auf wissenschaftlich unhaltbare Behauptungen berufen.