Humanismus

Definition

Als "Humanismus" wird eine Weltanschauung bezeichnet, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Dabei handelt es sich um eine seit dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für verschiedene, teils gegensätzliche geistige Strömungen in unterschiedlichen historischen Ausformungen. Gemeinsam ist ihnen eine optimistische Einschätzung der Fähigkeit der Menschheit, zu einer besseren Existenzform zu finden.

Geschichte

Der Humanismus der Renaissance kann als Beginn des modernen Humanismus begriffen werden. Es handelte sich dabei um eine breite Bildungsbewegung, die auf antike oder als antik angesehene Vorstellungen zurückgriff.

Der humanistische Lebensentwurf, der an das antike römische Konzept der humanitas anknüpfte, trat als Alternative neben das traditionelle, aus dem Mittelalter überkommene Menschenbild, das stark auf Gott und das Jenseits ausgerichtet war. Die Renaissance-Humanisten grenzten sich deutlich vom spätmittelalterlichen scholastischen Gelehrtentum ab.

Die auf antike Schriften und Kunstwerke als klassische Bildungsgüter fokussierte humanistische Bewegung verbreitete sich im 15. und 16. Jahrhundert von Italien aus in Europa, verlor aber im Lauf des 16. Jahrhunderts an Schwungkraft; insbesondere in Europa sowie in von Europa geprägten Weltregionen.

Einen neuen Impuls erhielt sie im 18. und 19. Jahrhundert durch den in Deutschland florierenden Neuhumanismus, der sich in erster Linie an der griechischen Antike orientierte und im deutschsprachigen Raum das höhere Bildungswesen prägte.

Bereits im Jahr 1848 wurde in Nürnberg die erste "Freie christliche Gemeinde" gegründet, aus der sich im Laufe der Zeit der Bund für Geistesfreiheit (bfg) entwickelte. Die Weltanschauungsgemeinschaft wurde in der Zeit des Nationalsozialismus verboten und gründete sich nach dem 2. Weltkrieg erneut.

Neuartige Ausprägungen hat der Humanismusbegriff in der existentialistischen Philosophie sowie in Marxismus und Realsozialismus erfahren, wobei es von völlig neuen Ansätzen aus zu scharfer Abgrenzung vom "klassischen" Humanismus kam. Als verbindendes Element alter und neuer Ansätze kann der Anthropozentrismus gelten, die Konzentration des Interesses und der Bemühungen auf den Menschen und seine Einzigartigkeit, im Gegensatz etwa zu Weltanschauungen, die Gott oder das Naturganze in den Mittelpunkt stellen oder die menschliche Lebensform nur als eine unter vielen auffassen. (Weitere Erklärungen zur Historie finden sich in der Wikipedia.)

Säkularer Humanismus

Der Begriff "säkularer Humanismus" (oder: "weltlicher Humanismus") grenzt sich explizit von Varianten des Humanismus ab, denen ein wie auch immer gearteter Glaube an übernatürliche Instanzen, Götter oder Esoterik zugrunde liegt. Der säkulare Humanismus ist also nicht mit weltanschaulich gefärbten Glaubensüberzeugungen vereinbar. Der oben bereits erwähnte Bund für Geistesfreiheit (bfg) vertritt einen säkularen Humanismus als eigene Weltanschauung.

Sozialer Humanismus

Als "sozialer Humanismus" wird ein Humanismus bezeichnet, dessen Schwerpunkt in der lebenslangen Begleitung von Menschen liegt. Diesen "sozialen Humanismus" verfolgt in Deutschland zum Beispiel der Humanistische Verband Deutschlands (HVD). Dieser bietet eine Begleitung vom Kindergartenalter über die Schulzeit bis zum Alter und zum Sterben an.

Evolutionärer Humanismus

Der "Evolutionäre Humanismus" beinhaltet eine Reihe von humanistischen Weltanschauungen, die die Einbindung des Menschen in die biologische Evolution betonen. Der Ausdruck wurde von Julian Huxley (englisch als "Evolutionary Humanism") in "Essays of a Humanist" (1964) geprägt.

Diese humanistischen Entwürfe verzichten vollständig auf Rechtfertigungsgründe außerhalb der erfahrbaren Welt und betonen die Natur- und Sozialwissenschaften. Sie erweitern außerdem den Evolutionsbegriff um soziale und kulturelle Dimensionen.

In Deutschland wird der "Evolutionäre Humanismus" insbesondere von der Giordano Bruno Stiftung (gbs) propagiert. Mit dem Buch "Manifest des evolutionären Humanismus" (2005) von Michael Schmidt-Salomon erreichte die Idee des "Evolutionären Humanismus" weite Verbreitung.

Der "Evolutionäre Humanismus" stellt nicht allein nur menschliches Leben in den Mittelpunkt. Da er die Menschen aufgrund der biologische Evolution als Teil der Natur und hier des Tierreiches begreift, sind die Rechte von anderen Tieren Teil seiner Agenda. Deshalb beispielsweise unterstützt die gbs das Great Ape Project.

Auch der Themenkreis "Digitales und Datenschutz" sowie der Transhumanismus gehören zum evolutionären Humanismus. Denn sie betreffen zentrale Fragen, wie der Mensch im Zeitalter technologischer Selbstgestaltung seine Freiheit, Autonomie und Würde auf der Grundlage von Vernunft, Wissenschaft und ethischer Verantwortung sichern und weiterentwickeln kann.

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