Kommentar
Wahl in Sachsen-Anhalt: Gegen Vernunft und Mitmenschlichkeit
Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt ist ein bitteres Zeugnis für die mangelnde politische Vernunft bei einem großen Teil der Wählerschaft dieses Bundeslandes.
Foto: Roy Zuo via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Jede Wählerin und jeder Wähler – vor allem aus der bisherigen Masse der Nichtwähler – müsste sich fragen, welches konkrete Angebot die AfD den Arbeitnehmern, Rentnern, Sozialversicherten oder Gewerbetreibenden gemacht hat. Sie müssten sich auch fragen, welches Verständnis von Patriotismus eine Partei hat, deren Vertreter vom Kreml hofiert werden und den Kampf gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine nicht mehr unterstützen wollen, der offensichtlich auch als Aggression gegen Westeuropa und Deutschland geführt wird.
Welches Wirtschaftsverständnis hat eine Partei, deren Vorsitzende im Steuerparadies Schweiz wohnt und den Austritt aus der EU propagiert, während Deutschlands Exporte weit überwiegend in diesen Raum erfolgen? Welches Demokratieverständnis hat eine Wählerschaft, die eine als gesichert rechtsextrem geltende Partei wählt?
Diese Fragen stellten sich die Wählerinnen und Wähler der AfD nicht. Und es gibt keinen Grund, sie dafür in Schutz zu nehmen. Sie folgten, bis auf sowieso in der Wolle gefärbte Rechtsextreme, allein ihrem Wutgefühl auf die Bundesregierung, der Angst vor Veränderung oder einem dumpfen Nationalismus. Wer eine Partei wählt, die mit dem Slogan wirbt, „Wir holen uns unser Land zurück“, hat sich für Spaltung und Ausgrenzung entschieden.
Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist ein Beispiel für selbstschädigendes Wahlverhalten. Nach gängiger Lehrmeinung handelt es sich bei selbstschädigendem Verhalten nicht um eine Krankheit, sondern ein Symptom für psychische Belastungen. Es dient oft der Regulation extremer innerer Anspannung oder dem Verarbeiten von Gefühlen. Allerdings verschafft es nur kurzfristige Erleichterung. Der Schaden aber, der bleibt.
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