USA

Satanic Temple-Konzert im Indiana State Capitol

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Im Mai diesen Jahres erhielt der missionarisch-christliche Musiker Sean Feucht die Möglichkeit im Indiana State Capitol aufzutreten. Ein klarer Verstoß gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten: Diese sieht die Trennung von Staat und Kirche vor und verbietet es der Regierung eine Religion einer anderen vorzuziehen. Um Gerechtigkeit bemüht hat der Satanic Temple ein Konzert der Band "Satanic Planet" im Regierungsgebäude organisiert. Unter lautem Gebrüll und Gebet eines christlichen Grüppchens konnte Satanic Planet fünf Lieder präsentieren und einige Menschen enttaufen.

Schwarze Roben, Pentagramme, Kopfschmuck mit Hörnern und auf den Rücken geschnallte schwarze Flügel begleiteten das etwa 20 Minuten dauernde Konzert von "Satanic Planet" im Indiana Statehouse, dem State Capitol in Indianapolis, in dem die Regierung des Bundesstaates Indiana ihren Sitz hat. Gespielt wurden fünf Songs der Band um Satanic Temple-Mitbegründer Lucien Greaves. "Exorcism", "Passage", "Invocation", "999" und "Unbaptism" – Lieder um Blut, Feuer, Hölle, Dämonen, Hexen, aber auch Selbstwert und die Befreiung von Unterdrückung. Beim letzten Lied, "Unbaptism" (Enttaufung), wurden Zuschauende auf Wunsch durch ein auf die Stirn gemaltes Petruskreuz enttauft. Für ein christliches Grüppchen ausreichend Provokation, um brüllend, betend und Schilder hochhaltend um die Band herumzuschleichen.

Dass Satanic Planet im Rahmen ihrer "Let Us Burn"-Tour ein Konzert in einem Regierungsgebäude abhalten konnten, haben sie der republikanischen Politikerin Suzanne Crouch zu verdanken. Obwohl die Vizegouverneurin des Staates Indiana wohl nicht zu den größten Fans von Satanic Planet und ihrer Gastsängerin Shiva Honey gehört, hatte sie den Weg für den Capitol-Auftritt der Band geebnet: Im Mai diesen Jahres hatte sie Sean Feucht, einen missionarischen und predigenden Musiker im Indiana Statehouse auftreten lassen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte die Politikerin wohl bereits Bedenken formuliert und befürchtet, für ihre Entscheidung in Schwierigkeiten zu geraten. Doch kam es, wie Feucht als Antwort auf die Bedenken prophezeit hatte: Sie wurde belohnt – mit einem Konzert Lucien Greaves' und seiner Band. Eigentlich unverdient, handelte es sich doch beim Auftritt Feuchts um einen Verstoß gegen die US-Verfassung. Diese sieht vor, dass Staat und Kirche getrennt sein sollten, es keine Staatsreligion geben und keine Religion einer anderen vorgezogen werden darf.

Um also Feuchts Auftritt nicht als Bevorzugung wirken zu lassen, mussten die Behörden in Indiana also Satanic Planet erlauben, im State Capitol aufzutreten. Ein Konzert, das nicht nur für Unterstützende des Satanic Temple ein Grund zur Teilnahme war, sondern auch für Menschen, die für Religionsfreiheit demonstrierten und das Verhalten der Vizegouverneurin nicht guthießen sowie für eine kleine Gruppe christlicher Pöbler.

Obwohl ein christlicher Dauerrufer von Lucien Greaves die Möglichkeit bekam, einen ruhigen Moment zur Aussprache zu nutzen, war das Interesse am Austausch wohl nicht sehr groß. Im Hintergrund lief eine Person mit einem Schild herum, das besagte, dass Jesus ihr Schöpfer, Retter, Herr und Gott sei. Ob diese Person sich schließlich enttaufen ließ, ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass sich Sean Feucht über den Auftritt von Satanic Planet negativ äußerte.

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