Jens Balzers zu essayistischer Essay zum Thema
Religiöse Apokalyptik und messianisches Denken in politischen Diskursen der Gegenwart
Religiöse Apokalyptik und messianisches Denken kursiere immer mehr in politischen Diskursen der Gegenwart. Jens Balzer postuliert dies in seinem neuen Essay „Erlösung“, der aber eher assoziativ denn systematisch geprägt ist und daher nur eingeschränkt aufklärerische Wirkung entfalten kann.
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Durch politische Diskurse der Gegenwart geistern immer wieder religiöse Metaphern. So wird etwa die Figur des „Katechon“ wiederbelebt, womit ein Aufhalter vor dem Niedergang gemeint ist. Damit einher gehen Apokalyptik und Messianismus, meint zumindest Jens Balzer in seinem neuen Buch mit entsprechendem Titel: „Erlösung. Über Messianismus und Apokalyptik in den politischen Diskursen der Gegenwart“. Der Autor hat in den letzten Jahren diverse Monographien zu den unterschiedlichsten Themen vorgelegt. Meist waren sie in der Darstellungsform essayistisch gehalten, was ein inhaltliches Springen erlaubte. Interessante Betrachtungen mündeten aber nicht in systematischen Reflexionen, was dann auch ein inhaltliches Problem bei der konkreten Wahrnehmung war. Dies ist auch in dem neuen Buch der Fall, das Beispiele an Beispiele reiht. Dabei werden mal wichtige Figuren der politischen Gegenwart, aber auch mal eher bedeutungsärmere Publizisten mit schrägen Vorstellungen thematisiert. Der Autor fasst seine Kernaussagen wie folgt zusammen:
„Die Propheten der politischen Theologie der Gegenwart rufen die Apokalypse an als den Kairos der endgültigen Entscheidung zwischen dem Dunkeln und dem Licht; sie sehnen sich nach einer Erlösung, durch welche die Geschichte an ihr Ende gelangt. Der wahre Messias erlöst uns von diesem Messianismus, und das heißt, er erlöst uns auch von dem Glauben daran, dass wir mit den Mitteln der politischen Theologie unsere innere Leere mit Sinn zu ‚ertränken‘ vermögen … Die politische Theologie will diese Leere ertränken, indem sie das Handeln der Menschen auf die Zukunft ausrichtet und auf die Erlangung der Macht, die es dazu braucht, um in dieser Zukunft die erwartete Erlösung zu erfahren.“ (S. 120)
Derartige Gedankengänge findet man tatsächlich bei den Vorgestellten, zu denen ganz unterschiedliche Figuren der Gegenwart und Geschichte – hier alphabetisch sortiert – zählen: Alexander Dugin und David Engels, Julius Evola und René Guénon, Carl Schmitt und Peter Thiel.
Balzer referiert deren Deutungen, mal genauer und mal oberflächlicher, stellt Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede fest. Ganz am Ende wird dem die Hamas hinzugefügt, auch Ernst Nolte taucht dort plötzlich noch auf. Man könnte eine derartige Auflistung und Präsentation begründen, sofern in den entsprechenden Ideologien gemeinsame Strukturmerkmale nachweisbar sind. In Ansätzen wäre dies auch bei den Genannten möglich, aber nur mit Differenzierungen und Typologisierungen. Balzer liefert aber keine klaren Einordnungen in diesem Sinne, sein Buch hat eher einen assoziativen, weniger einen systematischen Inhalt. Es macht auch die politische Dimension vieler Einstellungen nicht anschaulicher deutlich. Insofern ist die aufklärerische Wirkung des Textes beschränkt, kommt sie doch meist nicht über einen Problemaufriss für die Zukunft hinaus. Das wäre aber ein erster Ansatz in einem doch dünnen Buch von knapp über 120 Seiten.